Vortragsveranstaltung der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Rhein-Lahn zum Thema Suizid


Nr. 299 – Rhein-Lahn-Kreis. Fast 100 Besucher kamen zu der Veranstaltung der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Rhein-Lahn in der Brunnenhalle des Häckers Grand Hotel Bad Ems zum Thema „Darüber reden: Suizidalität erkennen und Hilfe ermöglichen“.

 

Die einleitenden Worte sprach Landrat Jörg Denninghoff, der in die Thematik einführte und die Wichtigkeit der Enttabuisierung des Themas betonte. Joachim Schneider, Mitarbeiter der Kreisverwaltung und Sprecher der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Rhein-Lahn, moderierte die Veranstaltung.

 

Die Referentin Dr. Barbara Deimling ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und arbeitet als Chefärztin bei der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach. Sie behandelt schon sehr lange Menschen in suizidalen Krisen und betonte, dass sie noch keine Person gesprochen hat, die nicht froh darüber war, dass sie von einem Suizid abgehalten wurde. Der Vortrag wurde gerahmt von zwei Bildern der georgischen Künstlerin und Ärztin Anna Chakvadze, die die Gefühlslage von Menschen in einer schwierigen Lebenssituation treffend darstellten.

 

In Deutschland begehen jährlich ca. 10 000 Menschen Suizid, 70 % sind Männer, 30 % Frauen. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Suizidrate an. Viele Jahre lang ist die Suizidrate gesunken, wegen effektiveren Versorgungsmöglichkeiten, einer verbesserten Aufklärung und einer größeren Sensibilität gegenüber der Thematik. Doch seit einigen Jahren stagnieren die Zahlen bzw. steigen wieder leicht an. Das hat auch damit zu tun, dass seit einigen Jahren assistierte Suizide rechtlich möglich sind.

Die Suizidrate steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an. Risikofaktoren sind u. a. der Verlust der Autonomie, die soziale Isolation und die zunehmende Hilfebedürftigkeit. Leider sind Suizide aber auch die häufigste Todesursache bei 10-24-Jährigen Menschen.

Um präventiv zu wirken, ist es hilfreich, dass man Menschen direkt auf Suizidgedanken anspricht, wenn sie Bemerkungen in dieser Hinsicht machen. Das kann ein gutes Gespräch in Gang setzen und fördert keinesfalls das Risiko eines Suizidversuches, betonte Frau Dr. Deimling. Man sollte die Menschen in ihrer Verzweiflung ernst nehmen und nicht mit Sprüchen (wie: „Das wird schon wieder“) reagieren. Es macht Sinn, gemeinsam nach Wegen zu suchen und Beratung und Hilfe zu vermitteln.

Die Medien können die Prävention fördern, indem sie Geschichten über die Bewältigung suizidaler Krisen veröffentlichen und Hilfen und Alternativen vorstellen (Papageno-Effekt). Im Gegensatz dazu kann eine öffentliche, detailreiche Darstellung die Nachahmung (Werther-Effekt) begünstigen.

Danach beantwortete Frau Dr. Deimling viele Fragen des Publikums. Herr Schneider dankte ihr sehr für den inspirierenden Vortrag, den sie ohne Honorar gehalten hat.

 

Die Veranstaltung wurde ermöglicht durch die Finanzierung der Selbsthilfegruppe für Angehörige von psychisch kranken Menschen, Lahnstein. Die Plakate und Handzettel hat das MDZ der Stiftung Scheuern kostenfrei erstellt und gedruckt.

Zum Abschluss hatten die Besucher noch die Möglichkeiten, sich an verschiedenen Stehtischen über Hilfsmöglichkeiten zu informieren.

 

Foto: Martina Weimer-Schumacher