Nr. 182 – Rhein-Lahn-Kreis. Wie können Menschen in Zeiten zunehmender Hitzebelastung wirksam geschützt werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich 24 Teilnehmende bei der Multiplikatorenschulung „Hitzeschutz-Helfer“, die am 2. Juni in der Kreisverwaltung des Rhein-Lahn-Kreises stattfand. Die Veranstaltung wurde auf Grundlage der Arbeit im Netzwerk „Gesund älter werden“ durchgeführt und hatte das Ziel, engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie haupt- und ehrenamtlich Tätige für den Umgang mit den gesundheitlichen Folgen von Hitze zu sensibilisieren und als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu qualifizieren.
Nach der Begrüßung durch die Amtsleitung des Gesundheitsamtes per Videobotschaft sowie durch Vertreterinnen des Kreisgesundheitsmanagements erhielten die Teilnehmenden zunächst eine Einführung in die Bedeutung des Themas Hitze und Gesundheit vor dem Hintergrund des Klimawandels. Im Mittelpunkt standen dabei die Herausforderungen, die zunehmende Hitzeperioden insbesondere für ältere und gesundheitlich belastete Menschen mit sich bringen.
Fachliche Impulse lieferten mehrere Vorträge renommierter Referentinnen und Referenten. Andreas Ehrhard informierte über den Klimawandel, dessen Auswirkungen sowie kommunale Anpassungsstrategien zum Umgang mit steigenden Temperaturen. Verschiedene Szenarien wurden für den Rhein-Lahn-Kreis betrachtet und Lösungsvorschläge benannt. Anschließend arbeiteten die Teilnehmenden in Gruppen intensiv an lokalen Klimaschutzmaßnahmen und Anpassungsstrategien und diskutierten Handlungsmöglichkeiten für ihre jeweiligen Verbandsgemeinden.
Im weiteren Verlauf der Schulung referierte Dr. Hildegard Simons als Allgemeinmedizinerin aus Ems zu den gesundheitlichen Risiken von Hitze. Dabei wurden die physiologischen Auswirkungen hoher Temperaturen auf den menschlichen Körper, besondere Risiken für ältere Menschen sowie Möglichkeiten der Früherkennung gesundheitlicher Probleme und geeignete Schutzmaßnahmen vorgestellt.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Präsentation der Hitzeschutz-Informationsmappe durch die Kreisgesundheitsmanagerinnen Johanna Breithaupt und Alina Zorbach. Sie stellten praktische Materialien für die zukünftige Arbeit als Hitzeschutz-Helfer vor. Die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) unterstützte dabei mit der Bereitstellung von Flyern, Plakaten und praktischen Hitze-Fächern, die mit Förderung des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit entwickelt wurden.
„Für die Landesregierung ist Hitzeschutz ein wichtiges Thema, das gerade hier vor Ort, in den Kommunen, sichtbar und wirksam werden muss“, erklärte Dr. Tamara Müller, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium. „Hitzeschutz ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, denn besonders ältere Menschen oder Menschen in schwierigen Lebenslagen sind von den Folgen extremer Hitze betroffen. Wie gut, dass wir Menschen haben wie Sie, die achtsam sind und sich um andere kümmern“, wandte sie sich an die Hitzeschutz-Helferinnen und -Helfer. Mit Blick auf die beiden Kreisgesundheitsmanagerinnen, die das Projekt angestoßen haben, äußerte sie die Hoffnung, dass ihr Ansatz Vorbild für andere Kommunen im Land werde und breite Nachahmung finde.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Austausch und der Vernetzung. In Gruppenarbeiten und Diskussionsrunden entwickelten die Teilnehmenden Ideen für regionale Netzwerkstrukturen und möglichen Kooperationspartnern im Rhein-Lahn-Kreis. Der intensive fachliche Austausch zeigte deutlich, wie groß das Interesse und die Bereitschaft sind, sich aktiv für den Schutz besonders gefährdeter Menschen einzusetzen.
„Das Engagement der neuen Hitzeschutz-Helfer verdient besondere Anerkennung. Ehrenamtlich Verantwortung für die Gesundheit von Mitmenschen zu übernehmen, ist ein wertvoller Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betont Landrat Jörg Denninghoff bei der Verleihung der Schulungszertifikate. Gerade das Thema Hitze macht deutlich, dass Gesundheitsschutz, Klimaanpassung, soziale Teilhabe und Nachbarschaftshilfe eng miteinander verbunden sind. Hitze wird in den kommenden Jahren eine der zentralen Herausforderungen für Kommunen darstellen. Umso wichtiger ist es, Menschen zu gewinnen, die als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren Wissen weitergeben, sensibilisieren und konkrete Unterstützung vor Ort leisten.
Zum Abschluss der Veranstaltung wurden den Teilnehmenden die Schulungszertifikate überreicht. Die Übergabe erfolgte durch Staatssekretärin Dr. Tamara Müller sowie Landrat Jörg Denninghoff. Dass die Schulung durch den Besuch von Staatssekretärin Dr. Tamara Müller abgerundet wurde, zeigt die hohe Bedeutung für das Thema und die Wertschätzung für die Arbeit des Kreisgesundheitsmanagements und im Netzwerk „gesund älter werden“. Mit der erfolgreichen Qualifizierung der ersten Hitzeschutz-Helfer wurde ein wichtiger Schritt für den Ausbau eines kommunalen Netzwerks zum Schutz der Bevölkerung vor den gesundheitlichen Folgen extremer Hitze geleistet.
Foto: qualifizierte Hitzeschutz-Helfer engagieren Sich für ältere Menschen im Rhein-Lahn-Kreis. Foto: Kreisverwaltung/ Saskia Daubach-Metz
