14 Bürger sagen Ja - „Nette Nachbarn“ starten in Kaltenholzhausen


Nr. 68 – Rhein-Lahn-Kreis. Kaltenholzhausen hat einen starken Impuls für gelebte Gemeinschaft gesetzt. Kürzlich trafen sich 14 Bürgerinnen und Bürger im Rathaussaal - und alle sagten: Ja. Ein klares Bekenntnis: Wir machen mit!

Mit der Gründung der „Netten Nachbarn“ entsteht eine organisierte Nachbarschaftshilfe, die schnell, unkompliziert und persönlich im Alltag unterstützt - durch Besuche und Gespräche, Spaziergänge, Begleitung zu Terminen, Einkaufshilfe oder Unterstützung bei Smartphone und PC. Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig angelegt, ergänzt bestehende Dienste und ersetzt keine professionellen Leistungen. Es geht um Aufmerksamkeit, Zeit und ein offenes Ohr.

Initiiert wurde das Projekt von Bea Müller. Aus der Überzeugung heraus, dass Zusammenhalt auch in kleineren Gemeinden aktiv gestaltet werden muss, entwickelte sie die Idee einer strukturierten Nachbarschaftshilfe. „Gemeinschaft lebt davon, dass Menschen Verantwortung füreinander übernehmen“, war ein Gedanke, der den Abend prägte. Einsamkeit betrifft längst nicht nur ältere Menschen - sie zieht sich durch alle Generationen. Genau hier setzen die „Netten Nachbarn“ an.

Besonders bemerkenswert: In der Gruppe sind alle Altersklassen vertreten - von Mitte 20 bis über 70. Vom Berufseinsteiger bis zur erfahrenen Ruheständlerin. Diese generationenübergreifende Mischung zeigt, dass Engagement keine Frage des Alters, sondern der Haltung ist.

Kaltenholzhausen hat bereits in den vergangenen Jahren bewiesen, dass der Ort neue Wege geht. Mit der Einführung der Orts-APP, die über 70 Prozent der Haushalte erreicht, sowie zahlreichen gemeinsamen Aktionen wurde eine moderne Kommunikations- und Beteiligungskultur geschaffen. Die „Netten Nachbarn“ sind ein weiterer konsequenter Schritt - analog, persönlich und nah.

Begleitet wird das Projekt vom Seniorenbüro „Die Brücke“ des Rhein-Lahn-Kreises. Uschi Rustler stellte die organisatorischen Rahmenbedingungen vor und betonte die professionelle Absicherung des Ehrenamtes. Alle Helfer sind während ihres Einsatzes haftpflicht- und unfallversichert, erhalten einen offiziellen Ausweis und verpflichten sich zur Verschwiegenheit.

Auch Jan-Erik Wolfgram vom Pflegestützpunkt Diez steht der Gruppe als fachlicher Ansprechpartner zur Seite. „Eine solche Initiative lebt vom Zusammenspiel aus Engagement vor Ort und fachlicher Begleitung“, so Wolfgram.

Ortsbürgermeister Dr. Frank Beerwerth unterstützt das Projekt ausdrücklich und gehört selbst zu den Gründungsmitgliedern. „Dass sich hier 14 Bürgerinnen und Bürger sofort engagieren, ist ein starkes Zeichen für Kaltenholzhausen“, betonte Beerwerth.

 

Kaltenholzhausen ist damit die sechste Gruppe im Rhein-Lahn-Kreis innerhalb des Netzwerks organisierter Nachbarschaftshilfe. Die organisatorischen Strukturen werden nun finalisiert, bevor das Angebot offiziell im Ort kommuniziert wird.

Eines steht fest: Das Fundament ist gelegt. 14 Menschen haben entschieden, Zeit zu schenken - und damit vielleicht das Wertvollste, was man geben kann.

 

Foto: Andreas Müller