Die Römer im Naturpark Nassau
Eine Wanderung entlang des Limes
Manfred und Ursula Braun
1. Einleitung
Eine der wichtigsten Aufgaben in der Arbeit des
Naturparks Nassau ist die Förderung einer umweltschonenden und mit der
Landschaft im Einklang stehenden Erholung. Dazu gehört ohne Zweifel das
Wandern. Der Naturpark Nassau hat eine Vielzahl von örtlichen Wanderwegen für
Kurzzeittouristen und die in ihm wohnende Bevölkerung anzubieten. Daneben
führen einige überregionale Wanderwege durch unseren Raum. Einer davon ist der
Limes‑Wanderweg, der in Deutschland weitestgehend entlang des Limes, der
Reichgrenze der Römer zu den Germanen in den ersten nachchristlichen
Jahrhunderten, von Regensburg bis Bad Hönningen führt und immerhin eine Länge
von etwa 500 km aufweist. Im Naturpark Nassau wurde dieser Wanderweg mit 15
Lehrtafeln versehen, die dem Wanderer zahlreiche Informationen zum Limes,
seiner Befestigung und dem überwiegend militärischen Leben der Römer geben. Die
Texte und Zeichnungen der Informationstafeln wurden von Herrn Dr. Wegner,
Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Koblenz, zur Verfügung gestellt.
Nachfolgende Darstellung soll das Wandern entlang
des Limes mit Hinweisen begleiten und eine Hilfe für Schulklassen, andere
Gruppen und Einzelwanderer sein.
Der gesamte Limes‑Wanderweg im Naturpark
Nassau wurde von den Autoren abgewandert und beschrieben. Herrn Klaus Deinaß
sei an dieser Stelle für die Durchsicht des Manuskriptes und die Bereitstellung
einiger Fotos gedankt.
2. Die Römer und der Limes
Der Limes grenzte das Römische Reich gegenüber den
Völkern der Germanen ab. An ihm stießen verschiedene Gesellschafts-‑
und Wirtschaftssysteme zusammen. Der Limes wurde von den Römern erbaut, als sie
merkten, dass eine weitere Eroberung Germaniens nicht möglich war und ihr Reich
gesichert werden musste. Der obergermanische Limes bestand in seinem letzten
Ausbauzustand aus Wall, Graben, Palisadenzaun, Wachtürmen sowie im Hinterland
aus befestigten Garnisonen (Kastellen). Er wurde um 83/84 n. Chr. erbaut und bestand
bis ca. 260 n. Chr. Zuletzt gab es etwa 900 Wachtürme und 60 Kastelle, davon
elf im jetzigen Naturpark Nassau. Die Bewachung des Limes übernahmen in der
Regel einheimische Verbündete (Hilfsoder Auxilartruppen), die unter römischem
Kommando standen. Der Zusammenbruch der Befestigungsanlagen vollzog sich über
einen längeren Zeitraum.
3. Beschreibung des Limes‑Wanderweges im Naturpark Nassau
Die nachfolgend beschriebene Wanderung entlang des
Limes beginnt am Römerkastell bei Holzhausen und endet an der Naturparkgrenze
bei Hillscheid. Neben der Wegbeschreibung wird auf den Limes und seine weiteren
Einrichtungen, die Landschaft und sonstige Besonderheiten eingegangen. Um eine
Übersichtlichkeit zu erhalten, wurde die Wegstrecke in verschiedene Abschnitte
eingeteilt, wobei ungefähre Wanderzeiten und Streckenlängen angegeben werden.
Der Limes‑Wanderweg ist gut ausgeschildert
und im Taunusbereich durch die Nachbildung eines Römerturmes in schwarzer Farbe
auf weißem Feld markiert. Ab Bad Ems ist der Limes‑Wanderweg durch einen
weißen Turm in schwarzem Feld gekennzeichnet. Es gibt streckenweise auch einen
stilisierten, behelmten Römerkopf in weiß auf grünem Grund.
3.1 Römerkastell Holzhausen ‑ Pohl
Streckenlänge: ca. 8 km
Zeitbedarf: ca. 2 Stunden
Unweit des 543 m hohen "Grauen Kopfes" an
der Grenze vom Naturpark Nassau zu dem hessischen Naturpark Hochtaunus liegt
das R ö m e r k a s t e l l H o l z h
a u s e n. Ein Hinweisschild informiert über die Geschichte und den ehemaligen
Aufbau des Kastells. Aufgrund der natürlichen Hangneigung Nord‑Ost war es
südwestorientiert. Etwa 60 m nördlich des Lagers verläuft der Limes. Das Lager
hat eine Ausdehnung von 135 auf 105 m, bei einer rechteckigen Innenfläche von
ca. 1,4 ha. Aufgrund der Funde von Münzen, Keramik und Ziegeln wurde das
Kastell in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts unter der Regierungszeit des
Kaisers Commodus errichtet. Im Jahre 260 wurde es aufgegeben. Ausgegraben und
erforscht wurde das römische Limeskastell Holzhausen in den Jahren 1898 bis 1899
und 1903 durch die Reichlimeskommission mit Nachuntersuchungen 1932. Sichtbare
Überreste sind Verteidigungsgräben, Kastellecken mit Einbauten, Tore und das
Fahnenheiligtum in der Mitte des Kastells. Die Fläche ist heute bewachsen mit
einem Rotbuchenwald und einem kleinen Fichtengehölz.
Nach kurzem Weg hangabwärts stößt man auf eine
Schutzhütte mit einer Bank, die zur Rast einlädt. Der Limes‑Wanderweg
führt weiter bergab. Links fallen die Reste der ehemaligen Limesanlage mit Wall
und Graben im Wald auf. Während der Strecke vom ehemaligen Römerkastell
Holzhausen bis zum Waldrand bei Holzhausen ist der Limes sehr gut im Wald zu
erkennen und findet sich meistens in Sichtentfernung zum Wanderweg. Am Waldrand
hat man eine herrliche Sicht auf Holzhausen. Nach einem kurzen Stück entlang
des Waldrandes knickt der Weg nochmals ab und führt entlang der ehemaligen
nassauischen Kleinbahntrasse bis zur B 260 vor Holzhausen.
In der Ortsmitte von Holzhausen an der Kreuzung von
B 260 und B 274 findet sich das Geburtshaus von Nikolaus
Otto.Erwurde1832geborenundist der Schöpfer des nach ihm benannten 4‑Takt‑Verbrennungsmotors.
Das kleine Museum kann täglich besichtigt werden. In einem Hinterraum steht ein
Modell des Limes.
Am Ortsausgang von Holzhausen kurz vor dem Friedhof
verlässt man die Bundesstraße und folgt dem Weg, der ein längeres Stück durch
die Feldflur zwischen Obertiefenbach und Holzhausen führt. Der Limes ist in der
Feldflur nicht mehr sichtbar, da er durch die intensive landwirtschaftliche
Nutzung in den vielen Jahrhunderten beseitigt wurde. Lediglich in einigen
Feldgehölzen und Waldbereichen sind die Spuren der Römer und ihrer
einheimischen Verbündeten noch zu verfolgen.
Kurz hinter Holzhausen hat man vom Limes‑Wanderweg
einen herrlichen Blick in das obere H a s e n b a c h t a 1 mit den Orten
Obertiefenbach mit seiner markanten Kirche, dem Ort Niedertiefenbach, direkt am
Hasenbach gelegen, und im Hintergrund Roth. Markant in der ansonsten intensiv
landwirtschaftlich genutzten Feldflur zwischen Holzhausen und Obertiefenbach
sind die Wegbegleitenden Heckenstrukturen. Dort kann man im Sommer einige
Brutpaare des Neuntöters entdecken. Landschaftsprägend und charakteristisch für
die Gegend wachsen gut erhaltene Streuobstreihen entlang des Limes‑Wanderweges,
teilweise ergänzt durch Neupflanzungen von hochstämmigen Obstbäumen. In den
höhlenreichen Bäumen brüten noch Feldsperling, Star, Blaumeise und Kohlmeise.
Hinter Obertiefenbach führt der Limes‑Wanderweg
entlang eines kuppelförmig aufragenden Wäldchens, in dem der Limes ebenfalls
recht gut zu erkennen ist. Dort gibt es auch einige H ü g e l g r ä b e r aus
keltischer Zeit. Hinter dem Wäldchen bei Pohl (= Pfahl = Pfahlgraben = Limes)
tritt man wieder in die offene Feldflur, sieht im Vordergrund Pohl, weiter im
Hintergrund Singhofen und in noch weiterer Ferne Kemmenau und die Montabaurer
Höhe mit der Alarmstange ‑ Grenzland in römischer Zeit.
3.2 Pohl ‑ Sauerbrunnen Marienfels
Streckenlänge: ca. 6 km
Zeitbedarf: ca. 2 Stunden
In Pohl befand sich ebenfalls ein Römerkastell, von
dem jedoch im Gelände nichts mehr zu erkennen ist. Das Kastell lag am
Ortsrandbereich nahe der Straße nach Lollschied. Folgt man dem Limes‑Wanderweg
in Pohl durch die Römerstraße, so gelangt man hinter dem Ortsausgang an den
Waldrand, wo eine Hinweistafel die Situation erläutert. Aufgrund der
Grabungsergebnisse handelte es sich um ein Erd-Holz‑Kastell. Erst gegen
Ende der Limes‑Zeit wurden die Bauwerke wie Türme und Kastelle in
Steinbauweise ausgeführt. An Fundmaterial wurden bei den Ausgrabungsarbeiten,
die vor allem 1903 stattfanden, Keramikreste und das Bruchstück eines
Reibsteines aus den Mayener Basaltbrüchen geborgen. Die Skizzen am
Hinweisschild bei Pohl zeigen das wahrscheinliche Aussehen des Kastells. Im
Wald hinter dem Hinweisschild findet sich auch wieder der recht gut erhaltene
Limeswall, der sich parallel zum Limes‑Wanderweg, der am Waldrand
entlangführt, erstreckt und gut sichtbar ist.
Kommt man wieder in die freie Feldflur, liegt vor
dem Wanderer der Ort Hunzel, dahinter Berg, und noch weiter im Hintergrund
befinden sich Dessighofen und Kehlbach, am Rand der Miehlen‑Nastättener
Senke. Vor Hunzel lädt der neu geschaffene Dorfteich zu einer kurzen Rast ein.
Vögel, Amphibien und Wasserinsekten haben hier einen neuen Lebensraum bzw. neue
Ernährungsmöglichkeiten gefunden. Von Hunzel aus verläuft der Limes‑Wanderweg
durch das Wiesentälchen Richtung Berg, wo auch eine Hinweistafel auf das
ehemalige Römerkastell Hunzel hinweist.
Nach kurzem Anstieg entlang einer Weide durchquert
der Limes‑Wanderweg den Marienfelser Wald bis zur Straße. Entlang des
Friedhofs von Marienfels kommt man zu einem Wanderparkplatz des Naturparks
Nassau, der auch zu einer kurzen Rast einlädt. In Marienfels wird der Mühlbach
überquert und nahe der den Ortsmittelpunkt prägenden Kastanie findet sich der
Hinweis auf das römische Kastell in Marienfels.
Eine Besonderheit unter den römischen Einrichtungen
im Bereich des Naturparks Nassau war das ehemalige R ö m i s c h e B a d von Marienfels. Das Bad ist zur
Regierungszeit von Kaiser Traian (98‑117 nach Christus) entstanden und
nach dem Typ des Reihenbades im ersten Jahrzehnt des 2. Jahrhunderts nach
Christus gebaut worden. Thermen waren stets Zweckbauten und in
unterschiedlicher Form und Größe bei oder in allen Kastellen enthalten. Sie
hatten eine funktionale Architektur, die den Bedürfnissen der Badegäste
Rechnung trug. Das Bad bestand aus einer Abfolge von hintereinander
angeordneten Baderäumen, deren Temperatur sich allmählich steigerte. Die
Badeanlage wurde durch die typische römische Hypokaustheizung erwärmt, einer
gut funktionierenden Fußboden‑ und Wandheizung. Von dem ehemaligen
römischen Bad in Marienfels ist heute nichts mehr zu sehen. Der nahe
Sauerbrunnen bietet sich dennoch zu einem längeren Verweilen an.
3.3 Sauerbrunnen Marienfels ‑ Sportplatz Becheln
Streckenlänge ‑ ca. 10 km
Zeitbedarf ‑ ca. 3 Stunden
Der Limes‑Wanderweg führt nochmals über den
Mühlbach, quert die Marienfelser Talaue und folgt im gewissen Abstand am
Waldrand dem Verlauf des Mühlbaches bis zur Käsmühle. Herrlich anzuschauen ist
der E i c h e n ‑ H a i n b u c h e n w a 1 d im oberen Mühlbachtal, der
insbesondere in den Frühjahrsmonaten von Frühblühern übersät ist und auch
einige botanische Kostbarkeiten aufweist. An der Käsmühle endet der Weg im
Mühlbachtal, der Bach wird überquert, und der Limes‑Wanderweg führt am
linken Mühlbachhang aufwärts in Richtung Geisig. Hat man den Wald verlassen, so
folgt man dem Weg durch die Feldflur von Geisig bergan mit Aussichten auf die
Ortslage von Geisig und im Hintergrund das Mühlbachtal und Marienfels.
Kurz darauf wird die Straße Geisig‑Dornholzhausen
erreicht. Nach einigen Metern des Weges auf der Straße tritt man in den
Fichtenwald ein, in dem auch der Limes in seinem Verlauf nach einem langen
Stück der "Verschollenheit" wieder als lang gezogener Erdwall zu
erkennen ist. Am Rande des Fichtenwaldes und nahe dem Buchen Altholzbestand
finden sich, als Erdhügel erkennbar, die Reste eines ehemaligen römischen W a c
h t p o s t e n s. Hier befindet sich ein Übergang zwischen den römischen und
den germanischen Bereichen, denn der Limes war neben seiner Funktion als
bewachtes Annäherungshindernis auch eine Einrichtung, die den Waren und
Zollverkehr steuerte. Der Turm stand auf einer kleinen Erhebung und war mit einem
rechteckigen Spitzgraben umgeben. Die unteren Lagen sind noch erhalten und
bestehen aus dem ortsüblichen Gestein von Schiefer und Grauwacke. Auch dort
informiert ein Hinweisschild über Aufbau und Funktion des Wachturmes.
Der Buchenwald wird umwandert, und vom Waldrand hat
man einen Blick auf Dornholzhausen mit der ortsprägenden Kirche. Der Weg folgt
dann dem Fichtenwaldrand bis zur Straße Dornholzhausen‑Dessighofen. Im
Fichtenwald ist der Limes wieder sichtbar. Vom Friedhof Dornholzhausen, nahe an
der Straße, hat man eine herrliche Aussicht auf Mühlbach und Lahntal, wobei im
Hintergrund Winden auffällt und auf der rechten Seite des Blickes Singhofen.
Nach Umquerung des Friedhofes mündet der Limes‑Wanderweg in den Wald
zwischen Dornholzhausen und Schweighausen. Der Limes befindet sich jetzt
zusammen mit einigen keltischen Hügelgräbern rechts des Weges im Wald und ist
in einiger Entfernung vom Limes‑Wanderweg gut zu sehen.
Im Verlauf des Waldabschnittes ist der Limes links
oder auch teilweise noch besser rechts des Weges recht gut zu erkennen. Die
Aufwertungen im Wald nahe des Weges deuten auf einen weiteren ehemaligen
Wachturm hin. Verlässt man den Wald, erreicht man das Hofgut Dörstheck. Kurz
danach öff net sich auch der Blick auf Schweighausen mit seiner sehr alten
romanischen Kirche. Im gesamten Gemarkungsbereich, der vor allem
agrarwirtschaftlich genutzt wird, ist der Limes nicht mehr vorhanden.
Ab der Straßenkreuzung vor Schweighausen wird der
Straße nach Becheln gefolgt. In der S‑Kurve im Wald biegt der Weg
seitlich in einen Buchen‑Fichten‑Wald ab und verläuft annähernd auf
dem Limes als Fußpfad weiter. Nach Verlassen des Fichtenwaldes wird ein
Forstweg überquert, und der Weg geht über einen weiteren breiteren Forstweg
weiter. Der Limes verläuft nunmehr ein langes Stück rechts des Weges, bis auf
der linken Wegeseite eine kleine, mit Fichten und Rotbuchen bestandene
Erhebung, zu erkennen ist. Dort befinden sich die Reste eines ehemaligen
Römerturms.
Von hier ab ist der Limes wieder sehr gut auf der
linken Seite entlang des Wanderweges sichtbar. Kurz vor der Straße Becheln‑Sulzbach
steht nochmals an einem ehemaligen Römerturm ein Hinweisschild, auf dem Verlauf
und Aufbau des römischen Limes erklärt werden. Dort bestand auch ein kleinerer
Wachturm, der in seinen Grundrissen als Geländeerhebung hinter dem
Hinweisschild noch zu erkennen ist. Von den Resten des ehemaligen Wachturms
wird die Kreisstraße Becheln-Sulzbach überquert und der Weg folgt dem Waldrand
entlang des Sportplatzes Becheln. Hier ist der Limes an der Wegseite wieder
recht gut als Aufschüttung zu sehen.
3.4 Sportplatz Becheln ‑ Bad Ems
Streckenlänge: ca. 6 km
Zeitbedarf: ca.
2 Stunden
Auch im Bereich von Becheln stand früher ein K l e
i n k a s t e l l aus Stein. Der Weg durchquert einen Fichten‑Altholzbestand
und führt dann wieder in einen Eichen-Hainbuchen‑Wald. An der abfallenden
Strecke liegt der Limes rechts des Weges. Er ist an einer Stelle durch einen
Forstweg durchschnitten und deswegen auch im Profil gut zu registrieren. Der
Limes verläuft nunmehr rechts der Wanderstrecke durch den Eichen‑Buchen-Mischwald,
Entlang des breiten Forstweges, der den Limes‑Wanderweg hier bildet, ist
der Hochwachsende Adlerfarn gut zu sehen. Nach kurzem bequemem Gang auf
abschüssiger Strecke wird die Straße Becheln‑Oberlahnsteiner Forsthaus
erreicht. Von hier hat man einen Blick bis weit in den H u n s r ü c k. Gut zu
erkennen sind die Abluftkamine von Braubach und rechts davon die Marksburg,
dahinter die Hunsrückhöhen, das Kurzentrum Lahnstein und der Fernmeldeturm auf
dem Kühkopf bei Koblenz. Der Limes‑Wanderweg folgt nun ein kurzes Stück
der Straße. Rechts im Wald ist das Forsthaus Wolfsbusch zu erkennen. An der
Ecke zu der Zufahrt zum Hof Kirchheimersborn stand früher ebenfalls ein
römischer Wachturm, dessen Grundmauern aber kaum im Gelände auffallen.
Der Weg folgt ein Stück der Teerstraße zum Hof
Kirchheimersborn und biegt dann links in den Fichtenwald. Zwischen schönen
Beständen von Dornigem Wurmfarn und Frauenfarn wandert man auf leicht
abschüssiger Strecke in Richtung Bad Ems. Im Fichtenwald knickte er l in ks ab
und folgt dem Zeichen des Römerturms. Im Frühjahr und Frühsommer wird die
Wanderung, insbesondere in den Vormittagsstunden, begleitet vom gurrenden Ruf
der Ringeltaube. An einer Wegekreuzung mit einem Hochsitz biegt der Limes‑Wanderweg
wiederum rechts ab. Links an einigen hügelförmigen Erhebungen sind die Reste
eines ehemaligen Römerturms an der Hangkante gut zu erkennen. Der Limes ist
zwischen den zahlreichen Erosionsgräben, die durch abschüssiges Hangwasser bei
Starkregen entstanden sind, kaum zu sehen. Kurz vor Erreichen eines breiteren
Querweges hat man einen herrlichen Blick ins L a h n t a l mit den Kliniken auf
der Höhe von Bad Ems und den sich angrenzenden Randhöhen der Montabaurer Höhe.
Der Weg führt zwischen Jungfichten hindurch und knickt dann an einem
Fichten-Altholzbestand talseitig rechts ab.
Im Hangbereich verlaufen Lahn‑Höhenweg und
Limes‑Wanderweg auf dergleichen Strecke. Vom Limes sind rechts im Wald
Reste vorhanden. Ein "Stockwerk" tiefer biegt der Weg wiederum rechts
ab und führt oberhalb des Hofes Neuborn nach rechts und dann hangabwärts
zwischen einem jungen Fichten‑ und Hainbuchenwald zum Waldrand bei den
beiden Höfen. Der Limes stößt rechts an die Stelle, an der der Weg in die
Feldflur eintritt und ist auch als Geländeprofil wieder zu erkennen.
Um die Höfe sind Rauch‑ und Mehlschwalben im
Sommerhalbjahr zu beobachten, die am Haus bzw. in den Ställen brüten. Das
gleiche gilt für Stare, die in den älteren Obstbäumen ihre Höhlen haben. Kurz
hinter dem Hof Neuborn wird der Blick frei über das Kurzentrum Bad Ems zur M o
n t a b a u r e r H ö h e, wobei
Alarmstange, Köppel und Lippersberg als Erhebungen sichtbar werden. Im
Feldgehölz entlang des Wanderweges finden sich Haselnuß, Schwarzer Holunder,
und in den Monaten Mai und Juni sind die Gesänge von Gartengrasmücke und
Goldammer zu hören.
Nachdem das Feld an den Höfen durchquert ist,
taucht der Weg als Hohlweg in einen Eichen‑Hainbuchen‑Wald ein,
dessen Bodenvegetation auf saures quarzithaltiges Grundgestein schließen läßt.
Sowohl die zahlreich vorkommende Hainsimse als auch der Salbei‑Gamander
und die zahlreichen Moose lassen darauf schließen. Erreicht wird die geteerte
Zufahrt zum Café Wintersberg, die leicht ansteigend zwischen einem artenreichen
Eichen‑Altholzbestand und einer Viehweide mit etlichen alten Obstbäumen
entlangführt.
Von dem Plateau am Wintersberg schaut man ins
Wiesbachtal von Bad Ems und weiter nach Dausenau zum Concordiaturm oder auf das
Kurzentrum von Bad Ems. Auf dem Wintersberg nahe dem Café befindet sich die
Nachbildung eines römischen Wachturmes. Das quadratische Fundament des Turmes
hat eine Seitenlänge von 5,50 m. Er wurde nach der Ausgrabung 1874 von der
Bürgerschaft von Bad Ems zu Ehren Kaiser Wilhelms 1. wieder aufgebaut. Das
Hinweisschild am Römerturm zeigt seinen dreistöckigen Aufbau und informiert
auch darüber, wie militärische Signale auf akustische und optische Art und
Weise von Turm zu Turm und von ihnen auch an die Kastelle weitergegeben wurden.
Nach kurzem Abstecher zum wiedererbauten Römerturm auf dem Wintersberg folgt
der Weg dem Seitental, biegt dann links im Hang ab, mit einer Aussicht auf Bad
Ems und die Kurwaldbahn.
Im unterholzreichen Waldbestand zum Braunebachtal
brüten besonders zahlreich die Rotkehlchen, die in den Frühjahrsmonaten und
auch noch manchmal im Herbst durch ihren Gesang auffallen.
In zickzackförmigem Wegeverlauf wird schon bald Bad Ems erreicht. Der Weg führt
vorbei an der alten katholischen Kirche, die 1661 erbaut worden ist. Der
Limes-Wanderweg verläuft weiter unter den Bahngleisen hindurch zur Lahnbrücke.
Unweit des Bahnhofes, in der Bahnhofstraße, dort wo sich heute zahlreiche
Geschäfte befinden, stand früher eines von zwei R ö m e r k a s t e l l e n an
der Lahn. Etwas abseits des Limes‑Wanderweges, unweit der um 1100
erbauten Martinskirche, befand sich das andere, größere Kastell, im heutigen
Bad Ems. Im Schotterkegel im Mündungsbereich des Emsbachs wurden Reste
gefunden. Es hat eine Länge von 147 m und eine Breite von 90 m und damit eine
Fläche von etwa 1,3 ha. Unter dem neuzeitlichen Römerbad sind Reste des antiken
Kastellbades gefunden worden. Die zum Militärlager gehörende Zivilsiedlung zog
sich in Form eines Straßendorfes entlang der heutigen Koblenzer‑ und Marxstraße.
Hier wurden in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts bei Ausgrabungen
Mauernischen und Keller entdeckt.
3.5 Bad Ems ‑ Römerturm Arzbach
Streckenlänge: ca. 8, 5 km
Zeitbedarf: ca. 3 Stunden
Von der Brücke führt der Weg rechts am Kurhaus
vorbei und biegt in die Grabenstraße ein. Nach etwa 150 m folgt er nach links
dem Straßenschild "Pfahlgraben". Diese Straße hat ihren Namen nach
dem ehemaligen Verlauf des Limes erhalten. Von nun an geht es steil bergauf.
Nach Erreichen des Waldes folgt man dem Erosionsgraben bis an der nächsten
Wegkreuzung der Weg nach rechts abbiegt. Das Limesschild im Westerwald ist
gekennzeichnet durch ein schwarzes Feld mit einem weißen Turm. Nach weiteren
etwa 200 m führt der Weg auf der linken Seite ein kleines Pfädchen steil bergan
durch einen Mischwald mit Kiefern und Buchen. Kurz darauf biegt er wieder links
ab.
In den frühen Morgenstunden ist hier der
schwirrende Gesang des Waldlaubsängers gut zu hören. An lichten Stellen säumen
Brombeeren und Himbeeren oder auch Farnpflanzen und junge Baumsämlinge den Weg.
An der nächsten Wegekreuzung stößt man auf den
Waldlehrpfad von Bad Ems, den man aber nach ca. 100 m auf der rechten Seite
hangaufwärts verlässt. Ein schmaler Pfad führt weiter bergan und kreuzt noch
einmal den Waldlehrpfad. Nach weiterem Anstieg erreicht man die Straße vom
Kurzentrum Bad Ems nach Kemmenau. Der Limes selbst ist auf der zurückgelegten
Strecke nicht zu sehen. Dort, wo der Waldlehrpfad ihn kreuzt, informiert ein
Schild über den Limesverlauf, seinen damaligen Zweck, Aufgaben eines Kastells
sowie die Struktur des römischen Heeres.
Nachdem die Straße überquert wurde, ist auf der
rechten Wegseite erstmals wieder der Verlauf des Limes im Wald zu erkennen. Der
Weg führt immer auf der linken Limesseite bergan und ist auch beim Überqueren
mehrerer Wegekreuzungen gut zu finden.
Im Buchenwald sind auf dem Boden im Frühjahr eine
Reihe Frühblüher zu entdecken, wie z. B. Waldmeister, Zwiebelzahnwurz und auch
einzelne Waldveilchen. Der den Weg rechts begleitende Limes ist z. T mit alten
Buchen oder auch Eichen bewachsen. Im Sommer säumt das Springkraut, eine
Pflanze mit sich selbst verbreitenden Früchten, den Weg. Im Bereich eines
Fichtenmittelwaldes ist der Limes mit Heidelbeeren und jungen Buchen bewachsen.
Einige Ameisenhaufen säumen den linken Wegrand.
Als Ausgleich für den steilen Anstieg lädt eine
Bank kurz vor der Fahrstraße zur Schönen Aussicht zum Verweilen ein. Die
Fahrstraße wird überquert und der Weg folgt weiterhin geradeaus dem
Limesschild. In dem anschließend folgenden Fichtenhochwald entspricht der Limes
dem rechten Wegrand, ist aber kaum noch zu sehen. Im Wald fallen die vielen
Farne auf, sowie an lichten Stellen der Rote Fingerhut, eine giftige
Arzneipflanze. Der Weg biegt leicht rechts ab auf einen größeren Fahrweg und
kurz darauf wieder nach rechts und folgt dann einem ebenfalls befestigten Weg.
Dieser knickt kurz darauf nach rechts ab und führt an den Ortsrand von
Kemmenau.
Hier ist der Limes gut zu sehen, und ein
Hinweisschild erläutert nochmals dessen Funktion. Der Limes verläuft gut
erkennbar in einem Fichten‑Altholzbestand und der Wanderweg direkt
parallel zu ihm. Es wird dann die Kreisstraße Kemmenau‑Arzbach erreicht,
der ein Stück gefolgt wird, bis der Weg wieder rechts abbiegt. An der
Abzweigung von der Kreisstraße hat man links durch den Buchen‑Altholzbestand
einen herrlichen Blick auf die 0 r t s c h a f t e n d e r A u g s t mit Eitelborn, Neuhäusel und Kadenbach.
Anschließend trifft man auf die Straße Kemmenau‑Welschneudorf (der
Verlauf des Limes ist in die Asphaltstraße eingefräst) und hat vom dortigen
Wanderparkplatz des Naturparks Nassau eine herrliche Aussicht ins Dausenauer
Unter‑ und Oberbachtal sowie ins Lahntal und die angrenzenden Höhen im T
a u n u s. An Ortschaften sind links Zimmerschied und rechts daneben Hömberg
auf den Höhen des Westerwaldrandes zu erkennen. Der durch Windbruch umgefallene
Fichtenwald zeigt die Probleme beim Anbau dieser Holzart auf flachgrundigem
Quarzitboden. Von der Windwurffläche nahe des Weißen Steines, der immerhin 457
m hoch ist, hat man eine herrliche Aussicht auf die 454 m hohe und mit Fichten
bestandene Schöne Aussicht, Kemmenau, die Taunushöhen, das Lahntal, Hömberg und
Zimmerschied. Kurz nach Durchqueren eines Fichten‑Stangenholzes führt der
Weg an einem Buchen‑Altholzbestand vorbei, der nach und nach ausgelichtet
und naturverjüngt wird.
Auf der vom Wuchsfreizuhaltenden
Hochspannungstrasse kann man verschiedene einheimische Straucharten wie
Traubenholunder, Faulbaum, Salweide, Himbeere, Mehlbeere, Ginster, Brombeere
und junge Birken feststellen.
Nach einem fast völlig zugewachsenen Steinbruch auf
der linken Seite wird der Waldrand erreicht, dem ein kurzes Stück gefolgt wird,
bis der Limes‑Wanderweg nach links abbiegt. Durch ein rechts abgehendes
Graben‑ und Hügelsystem sollte man sich nicht täuschen lassen. Es handelt
sich, weil an beiden Seiten tiefe Gräben sind, nicht um den Limes, sondern um
ehemalige J a g d g r ä b e n. Kurz nachdem der geschotterte Waldweg rechts
abknickt, wird weiterhin dem Weg geradeaus gefolgt. Der Limes überquert den
Waidweg und ist auch im Gelände recht gut zu erkennen. Er verschwindet dann in
der Buchen‑Naturverjüngung. Der Limes‑Wanderweg verläuft durch
einen Nadel‑Mischwald, wo vereinzelt Waldsauerklee, Zwiebelzahnwurz und
Zweiblättrige Schattenblume zu erkennen sind. Kurz vor einer Waldwiese fällt
rechts wieder deutlich der Limes auf. Erfolgt überein längeres Stück gut
sichtbar dem Limes-Wanderweg.
Der Limes‑Wanderweg führt nunmehr um den
Großen Kopf, flankiert von einigen alten Vogelkirschen, einem Baum, der für die
Ökologie des Waldes wegen seiner Blüten, seiner Früchte, seiner
Brutmöglichkeiten für Spechte und auch wegen seines forstwirtschaftlichen
Wertes von Bedeutung ist.
Wer eine herrliche Aussicht vom Nachgebauten R ö m
e r t u r m auf den G r o ß e n K o p f genießen will, muss kurz den Limes‑Wanderweg
verlassen und übereinen Fußpfad die 423 m hohe Erhebung erklimmen. Der Große
Kopf bei Arzbach bietet eine hervorragende F e r n s i c h t. Daher bot sich
der Basaltkegel als Standort für einen Wachposten schon in römischer Zeit an.
Die heutige Rekonstruktion eines römischen Wachturmes steht über dem originalen
römischen Steinturm. In den Jahren 1953 bis 1954 wurde vom Verkehrsverein
Arzbach der Wachturm erbaut und im Jahre 1991 renoviert.
Vermutlich war der Turm in römischer Zeit ständig
besetzt. Auf dem Hinweisschild ist eine Querschnittzeichnung dargestellt, wie
der Turm aufgebaut war und wie das Leben darin funktionierte.
Von seiner Brüstung hat man eine herrliche Aussicht
auf das große Waldgebiet um die Schöne Aussicht, sieht im Hintergrund das
Kurzentrum Lahnstein, die Hunsrückhöhen, den Fernsehturm auf dem Kühkopf, die
Sporkenburg im Emsbachtal, im Vordergrund Arzbach und im näheren Hintergrund
die Augstgemeinden Eitelborn, Neuhäusel und Kadenbach, teilweise noch
eingebettet in ausgedehnte Streuobstbestände. Nach rechts ist das große
Waldgebiet der Montabaurer Höhe zu sehen, wobei die Alarmstange, der ohne Turm
bewaldete Lippersberg und dann der Köppel zu erkennen sind. Das Gebiet der
Montabaurer Höhe und des oberen Kennelbachtales gehören zum Kerngebiet des
Naturparks Nassau. Auch die Römer müssen von diesem Aussichtspunkt schon einen
schönen Blick in die damals sicherlich anders aussehende Landschaft gehabt haben.
3.6 Römerturm Arzbach ‑ Hillscheid
Streckenlänge‑ ca. 10 km
Zeitbedarf‑ ca. 3,5 Stunden
Vom Großen Kopf zurückgekehrt, folgt der Limes‑Wanderweg
wieder einem gut begehbaren Waldrandweg. Bei dem Wanderparkplatz knickt der Weg
rechts ab. Nach kurzem, etwas steilerem Abstieg wird der Straße Arzbach‑Kemmenau
gefolgt. Doch bald biegt der Weg rechts ab und folgt einem Feldweg mit
weiterhin herrlicher Aussicht auf Arzbach, die Nachbargemeinden und die
Landschaft, die von Gebüschen, Wiesenflächen und Streuobstbeständen geprägt
wird. Goldammer, Dorngrasmücke, Gartengrasmücke und Mönchsgrasmücke sind die
akustischen Begleiter der Wanderung durch die Arzbacher Flur. Der Weg stößt
unweit der R ö m e r q u e l l e wieder auf die Kreisstraße. Sehr wahrscheinlich
wurde schon im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. das Römerkastell Arzbach von der
Römerquelle mit Wasser versorgt. Am Ortseingang von Arzbach am Friedhof findet
sich nochmals eine Hinweistafel auf das ehemalige R ö m e r k a s t e l l
Arzbach, das heute von Altenheim, Kirche und Friedhof überbaut ist. Hier befand
sich das Römerkastell Augst mit einer Ausdehnung von 79 m auf 93 m. Das Lager
war mit einer 2 m breiten Mauer umgeben und an den Ecken und Toren mit Türmen
verstärkt. Die Anlage wurde vermutlich zwischen 98 und 138 n. Chr. erbaut. Der
Wegeverlauf im Bereich der Ortslage von Arzbach ist gut ausgeschildert.
Durch ein Seitental wird der alte Waldsportplatz
erreicht, Der Weg führt rechts am Sportplatz vorbei, durch einen Erosionsgraben
die Anhöhe hinauf. An der Böschung befinden sich einige bemerkenswerte
Straucharten wie z. B. Behaarter Ginster, Besenginster, Salweide und Schwarzer
Holunder. Kurz vor Eintritt in den Eichen‑Hainbuchen‑Wald ist ein
schöner Bestand des Ackerschachtelhalms am Waldrand zu erkennen.
Der Quellbereich im Bachtälchen ist mit Eschen und
Pappeln bewachsen und weist wegen seines feuchten und nährstoffreichen Bodens
auch eine üppige Krautvegetation auf, von der an dieser Stelle Aronstab und
Goldnessel sowie Großblütiges Springkraut genannt seien. Nach kurzem und
steilem Anstieg wird schon bald der Blick auf die Wiesen der Ortsgemeinde
Kadenbach frei. Am Waldrand in Richtung Kadenbach steht flächig der Adlerfarn.
An einer Ruhebank kurz vor einem Fichtenwäldchen biegt der Weg nochmals links
ab durch einen Fichtenwald. Die Bank lädt zur Zwischenrast ein. Man kann in den
Frühlings‑ und Frühsommermonaten an ruhiger Stelle dem Gesang von Amsel,
Buchfink und Tannenmeise lauschen.
An einer Waldwiese, an der einige Kastanien als
Wildäsung gepflanzt sind, und im Geräuschpegel der B 49 biegt der Weg nochmals
links ab und folgt einem Buchen-Altholzbestand bis zur Bundesstraße. Im
Stangenholz an der Wegebiegung fällt der Limes wieder als Wall auf. Der
Fichtenwald selbst stockt auf saurem Untergrund, was an dem Vorkommen des
Harzer Labkrautes, des Dornigen Wurmfarnes, der Heidelbeere und dem Salbei‑Gamander
zu erkennen ist.
Kurz vor dem S t e i n r a u s c h wird die B 49
überquert. Der Wald führt nunmehr durch einen herrlichen Buchen‑Altholzbestand
in Richtung Bretzer‑ bzw. Kalterbachtal. Links ist als Verwerfung wieder
der Limes auf einer kurzen Strecke zu sehen.
Dem Farnkundler wird auffallen, daß am Wegrand am
Hang zur Steinrausch zahlreiche Farne wachsen. Zu nennen sind Frauenfarn,
Dorniger Wurmfarn, Gemeiner Wurmfarn, Buchenfarn und Eichenfarn.
An dem Steinrausch stand ebenfalls ein Römerturm,
der mit dem Kastell Hillscheid und dem Römerturm Arzbach in optischer
Verbindung stand, so dass die Hänge vermutlich zur Römerzeit kahl waren. Die
Grundmauern sind in jüngster Zeit vom Westerwald‑Verein Eitelborn wieder
aufgebaut worden und eine Hinweistafel informiert über den Turm.
Hat man die Fundamente des Römerturmes Steinrausch
hinter sich gelassen, knickt der Weg
rechts zum Hang ab und folgt diesem durch ein schmales Pfädchen durch den Wald.
Vermutlich war die Grenze im Hangbereich der Steinrausch nicht mit einem
Grenzwall, sondern nur mit einer Pfahlstaffette gesichert.
Die Wanderung von dem Steinrausch durch den Hang
entlang der Falllinie erfordert Aufmerksamkeit, da der Weg nur sehr schwer im
Gelände zu erkennen ist. In der Bachaue des Plätzerbaches angekommen, geht es
noch ca. 100 m bachaufwärts, dann über den Bach auf die rechte Bachseite und
entlang des Baches abwärts.
Der Plätzerbach gehört noch zu den sauberen
Quellbächen im Bereich des Naturparks Nassau und weist eine reiche
Gewässerfauna auf. Schon bald sieht man durch Buchen die von Kieselalgen grün
gefärbte Wasserfläche des K a l t e r b a c h - S t a u s e e s liegen, eines ökologisch relativ wertlosen, da
stark beschatteten, kühlen und vom Erholungsbetrieb stark frequentierten
Gewässers. Der Blick nach oben gerichtet erkennt bei der Umwanderung des
Kalterbach‑Stausees einige üppig gewachsene Fichten und Eschen. Kurz vor
Wiedererreichen des Kalterbach‑Stausees biegt der Weg hangseits ab und
steigt nach oben. Er führt durch einen Rotbuchen‑Mittelwald mit einzelnen
Alteichen. Der Boden ist im Frühjahr und Frühsommer bedeckt von Frühblühern wie
Zwiebelzahnwurz, Buschwindröschen und Waldveilchen. Im Frühjahr ist der
schwirrende Gesang des Waldlaubsängers zu hören.
Nach einer Wegebiegung geht der Weg wieder etwas
steiler die Falllinie des Hanges hinauf. Er folgt dabei dem Verlauf des Limes,
der im Gelände an dieser Stelle nicht mehr zu erkennen ist. Kurz vor Erreichen
der Straße Hillscheider Stock‑Hillscheid ist wiederum das Fundament eines
ehemaligen Römerturms zu erkennen. Darauf weist auch ein Schild des Westerwald‑Vereins
Hillscheid hin. Von hier hat man eine Aussicht über das Plätzerbachtal zum mit
Fichten bewaldeten Steinrausch auf der anderen Seite, wo man sich den nächsten
Römerturm vorstellen muss.
Nach dem Genus der Aussicht und der Ruhe auf dem
Plateau des Römerturmes führt der Weg über die Straße nach Hillscheid weiter
hangaufwärts, ebenfalls durch einen herrlichen Buchen‑Altholzbestand. Der
zum Teil steile Anstieg in Richtung Römerkastell Hillscheid läßt
nachvollziehen, welche aufwendigen Arbeiten die Römer bei der Sicherung ihrer
Grenzen hatten.
Fast an der Hangkante knickt der Weg links ab und
folgt der Höhenlinie. Kurz vor einer Erhebung, die wiederum mit einem
Hinweisschild für einen Römerturm markiert ist, ist auch wieder der Limes im
Gelände zu erkennen. Der Wanderweg biegt dann scharf nach rechts ab und führt
leicht hangaufwärts. Er kommt oberhalb des Wachpostens Nr. 72 vorbei, wo noch
sehr gut der Grundriss zu entdecken ist. Hinter dem Wachposten geht es leicht
hangaufwärts in Richtung R ö m e r k a s t e l l H i l l s c h e i d. Der
Fußweg gelangt in eine Fichtendickung und führt wiederum direkt entlang des
Limes, der rechts auch noch gut zu erkennen ist. Durch einen Jungfichtenbestand
setzt sich der Limes‑Wanderweg fort. Entlang des Fußpfades ist links der
Limes hervorragend zu erkennen. Auf dem Quersträßchen biegt der Weg nach links
ab.
An der nächsten Wegegabelung weist ein
Hinweisschild auf das ehemalige Römerkastell Hillscheid hin. Am Rand der
Dickung hat man eine herrliche Aussicht über das Mittelrheinische Becken und
die Vulkankuppen der Pellenz und des Laacher Seegebietes.
Das Kastell Hillscheid war ein Kleinkastell, mit
einem Areal von ca. 16 ha. Ca. 80 m nördlich des Lagers befindet sich der
Wachposten 71.
Der Limesgraben verläuft östlich des Lagers. Steil fällt der Teerweg zwischen Roteichen‑ und Fichtendickung in Richtung Hillscheid ab, wobei der Blick zum Rhein im Mittelrheinischen Becken, Raum Neuwied ‑ Engers ‑ Mülheim‑Kärlich geht. Hinter dem Wanderparkplatz, kurz vor Hillscheid, biegt der Weg rechts ab, überquert nach kurzer Strecke die Straße Hillscheid‑Höhr‑Grenzhausen und verlässt damit den Naturpark Nassau. An dieser Stelle ist die Rekonstruktion eines Wachturms geplant. Hier soll auch die Beschreibung einer Wanderung über den Limes‑Wanderweg enden.