Opus imperfectum - Der Lichterkopf bei Niederlahnstein
als ein Standort des Reichsehrenmals der Weimarer Republik.

von Adolf Morlang

1. Einleitung: Immer wieder Diskussionen um Denkmäler

Mit dem Beschluss des Bundestages vom 25.6.1999 zur Errichtung des sog. "Holocaustdenkmals" in Berlin fand eine lange, quälende Diskussion ein vorläufiges Ende, die einmalig schien in der deutschen Geschichte. Doch dem ist nicht so, denn ziemlich genau 75 Jahre vorher begann 1924 in der Weimarer Zeit eine ähnlich langwierige Diskussion um das zentrale Reichsehrenmal, für das auch Standorte am Rhein vorgeschlagen wurden. Bei beiden Vorgängen zeigt sich, dass Denkmalsdiskussionen in der Regel durch vier Problembereiche bestimmt und dadurch immer in die Länge gezogen werden:

1. Welches ist der geeignete Standort für das Denkmal ? 2. Wer trägt die Kosten für den Bau und die spätere Unterhaltung ? 3. Welche Konzeption und Ikonographie soll verwirklicht werden ? 4. Welche Organe, Gremien und Personen sollen beteiligt werden und dürfen in irgendeiner Form mitbestimmen ?

2. Definition und Funktion von Denkmälern

Zunächst sollte noch geklärt werden, wozu Denkmäler eigentlich da sind. Laut Brockhaus ist ein Denkmal "ein zur Erinnerung an Personen oder Ereignisse errichtetes Werk der Bau- oder Bildhauerkunst." Normalerweise sollen Denkmäler in irgendeiner Form positive Identität herstellen. Deshalb werden vor allem vorbildliche oder als solche empfundene Personen und Ereignisse auf Denkmälern verewigt: Herrscher und Feldherren (z.B. Friedrich d.Gr.), Staatsmänner (z.B. Bismarck) und Geistesgrößen (z.B. Luther, Goethe), dazu heroische Phasen der Geschichte (z.B. die Befreiungskriege). Wer will sich dagegen schon mit einem Versager, einer Niederlage oder einer problematischen Phase der Geschichte, wie etwa dem Holocaust, identifizieren ? Allerdings gibt es auch wenige Beispiele für das Gedenken an eher zwiespältige Ereignisse und Personen. Die "Paulskirche" z.B. steht als Symbol für die gescheiterte Revolution 1848/49. Ein anderes Beispiel - aus Frankreich - ist das Denkmal des Vercingetorix bei Alise-Ste. Reine (= Alesia), der die zerstrittenen gallischen Stämme zu spät geeint hat und Caesar "fast" besiegt hätte. Ein weiteres Beispiel von ungeheurer Tragweite bis in die aktuelle Politik ist die Niederlage der Serben gegen die Türken auf dem Amselfeld (Kosovo polje) 1389, auf die immer wieder zurückgegriffen wurde und wird, um die besondere Rolle der Serben auf dem Balkan zu legitimieren.

3. Denkmäler im 19. Jahrhundert und in der Weimarer Republik

Die hohe Zeit der Denkmalsstiftungen in Deutschland war das 19. Jahrhundert, besonders im Zusammenhang mit dem Nationalismus und der Reichsgründung. Aber obwohl hier - im Unterschied zum "Holocaustdenkmal" - der Gehalt der Denkmäler relativ eindeutig war - es ging ja um die Verherrlichung des Heroischen und des nationalen Gedankens - , lief auch hier nicht alles problemlos ab. Beim Hermannsdenkmal etwa vergingen von den ersten Bauarbeiten bis zur Einweihung Jahrzehnte :1838 - 1875. Das Völkerschlachtdenkmal wurde erst 1913, also 100 Jahre nach dem Bezugsereignis, eingeweiht. Hier hatte es eine erste Planungsphase bereits 1813/14 gegeben, dann eine zweite 50 Jahre später 1863/64. Erst ab dem Dreikaiserjahr 1888 erfolgte eine intensivere Planung, die schließlich 1898 bis 1913 baulich umgesetzt wurde. Bei weiteren Großdenkmälern dieser Zeit ging alles dann doch etwas schneller: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der "Porta Westfalica" entstand 1892 bis 1896, das Kaiser-Wilhelm / Barbarossa-Denkmal auf dem Kyffhäuser 1892 bis 1897, die Germania auf dem Niederwald 1871 bis 1883, wobei allerdings deren Einweihung 1883 durch ein gescheitertes Attentat, dem die versammelte politische und gesellschaftliche Prominenz fast zum Opfer gefallen wäre, dramatisch überschattet wurde. Die Errichtung des Reiterdenkmals Kaiser Wilhelms am Deutschen Eck dauerte 1888 bis 1897. Es lieferte eher bei seiner Wiedererrichtung 1993 Gesprächsstoff, da die Stadt Koblenz und das Land Rheinland-Pfalz die von dem Verleger Theisen geschenkte Replik zunächst nicht annehmen wollten.

Die Weimarer Republik tat sich schwer mit allen Elementen, die nationale Identität stiften sollten: Fahne, Hymne, Nationalfeiertag und Reichsehrenmal, wobei bei den drei ersten wenigstens irgendwie ein Kompromiss und Abschluss gefunden wurde, beim Reichsehrenmal aber nicht. Dennoch entstanden auch in dieser Zeit - gewissermaßen als Ersatz - einige große, mehr regional bezogene Denkmäler. Die bekanntesten sind das Tannenbergdenkmal in Ostpreußen (1924-1927), das Marine-Ehrenmal in Laboe an der Kieler Förde (1927-1936) und das Deutsche Freikorps-Ehrenmal auf dem Annaberg in Oberschlesien (1921-1933). Die Denkmalsdiskussion in der Weimarer Republik spiegelte deutlich deren politische Zerrissenheit wider: der Kampf zwischen linken und rechten politischen Kräften, d.h. zwischen Internationalismus und Demokratie auf der einen und militantem Monarchismus und antidemokratischem Denken auf der anderen Seite. Für erstere waren die im Kampf für die demokratische Republik Gefallenen wichtiger, und für sie entstand z.B das Denkmal für die Märzgefallenen 1921/22 in Weimar. Es erinnerte an die Opfer, die dort bei einer Gewerkschaftsdemonstration gegen den Kapp-Putsch 1920 vom Militär erschossen worden waren.

Demgegenüber standen die Kräfte, die einen Kult um die Weltkriegstoten aufbauten, das alte Heer rühmten und durch Verherrlichung des "unbekannten Soldaten" zur Nacheiferung und Revanche aufriefen. In dieser Tradition entstanden die oben erwähnten drei Großdenkmäler.

4. Das Reichsehrenmal in der Weimarer Republik

Die verwirrende und vielschichtige Diskussion um das Reichsehrenmal soll nur in den wichtigsten Punkten zusammengefasst werden:

Der Anstoß kam 1924, also zehn Jahre nach Beginn des 1. Weltkrieges, von Stresemann, unterstützt vom Reichspräsidenten und Kanzler. Verschiedene Gremien befassten sich gut zehn Jahre mit dem Projekt, nämlich das Innenministerium von Seiten des Reiches, als Vertreter der Länder ein Ausschuss des Reichsrates und eine "Stiftung Reichsehrenmal", deren Ehrenvorsitzender der Reichspräsident war. Hinzu kamen noch konkurrierende, mehr private Gremien, die regionale Interessen durchsetzen wollten, z.B. ein "Reichsausschuss für das Reichsehrenmal", initiiert von dem bekannten Architekten und Burgenforscher Bodo Ebhardt. Bis Ende November 1925 waren insgesamt 64 Standortvorschläge eingegangen, davon allein zehn für Berlin. Dabei gab es zwei Hauptgruppen: 1. Entwurf und Bau ganz neuer Denkmäler und 2. Ausbau bereits bestehender Gedenkstätten, z.B. des Hermannsdenkmals im Teutoburger Wald. Letztere Variante bot sich natürlich an, da wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage ein finanziell aufwendiges neues Denkmal schwer durchzusetzen war. Großen Einfluss übten auch die Frontkämpferverbände aus, von denen der "Stahlhelm" einen "Heiligen Hain" bei Bad Berka (Thüringen) als Gedenkstätte ins Gespräch brachte, für den sich schließlich auch die Reichsregierung im März 1931 aussprach. Hierfür wurden auch bis Januar 1933 Entwürfe vorgelegt, zu einer endgültigen Beschlussfassung kam es aber nicht. Nach dem Tod Hindenburgs (2.8.1934) wurde ein Teil des Tannenbergdenkmals zu einem Grabmal für den Verstorbenen umgebaut und dieser hier am 2.10.1935 feierlich beigesetzt. Dabei erklärte Hitler das Tannenbergdenkmal zum Reichsehrenmal. Der Rhein, mit Mythen und Emotionen befrachtet, war für die meisten Zeitgenossen Deutschlands Schicksalsstrom, dem das Ringen des 1. Weltkrieges vorrangig gegolten hätte. Daher ist es nicht verwunderlich, dass während dieser Zeit auch mehrere Denkmäler und Standorte am Rhein vorgeschlagen wurden. Nur am Rande tauchen auf: der Lützelforst bei Rhens und der Kühkopf bei Koblenz. Etwas häufiger erwähnt werden: die Inseln Hammerstein und Grafenwerth, der Lichterkopf bei Niederlahnstein. Noch mehr Unterlagen beziehen sich auf die "Toteninsel" bei Lorch und den Eisenbolz bei Boppard. Am ausführlichsten geht es aber um Ehrenbreitstein. Während bei den bisher genannten Standorten jeweils ein völlig neues Denkmal entstehen sollte, war bei der Festung Ehrenbreitstein geplant, diese durch ein großes Gefallenendenkmal zu einem Ensemble "Reichsehrenmal" zu erweitern. Das gleiche Verfahren war auch, wenn auch weniger intensiv, für das Niederwalddenkmal vorgesehen.

Von den Projekten am Rhein soll zunächst etwas genauer die Lorcher "Toteninsel" erwähnt werden. Auch hier spielte - wie bei dem "Heiligen Hain" von Bad Berka - der Gedanke der Abgeschiedenheit, diesmal auf einer Insel, eine große Rolle. Dennoch wäre das Denkmal durch die Uferstraßen und -bahnen verkehrstechnisch gut zu erreichen gewesen. An sich ging es bei diesem Projekt um zwei Inseln. Die Düsseldorfer Professoren Wach und Klapheck wollten beide mit einem steinernen Steg verbinden. Die größere Insel war als Versammlungsstätte - auch für Sportwettkämpfe geeignet - vorgesehen. Ehrentafeln für die Gefallenen sollten die "Heilige Straße" auf dem Verbindungsdamm schmücken, über den der Besucher zum eigentlichen Ehrenmal auf der kleineren Insel flussaufwärts gelangte. Diese "Malstätte" war konzipiert als Ehrenhof mit Sarkophag, der sich über einer Gruft erhob und mit einem Stahlhelm versehen war.

5. Das (geplante) Reichsehrenmal auf dem Lichterkopf bei Niederlahnstein

Das oben bereits kurz erwähnte Denkmal auf dem Lichterkopf bei Niederlahnstein soll als zweites aus dem heimischen Raum nach dem Lorcher Denkmal und in gewisser Hinsicht auch als dessen Gegenstück genauer vorgestellt werden. Unterlagen dazu befinden sich im Landeshauptarchiv Koblenz. Sie bestehen aus einer im Juni 1926 verfassten Denkschrift (mit Lageplan und Panoramafotos) der Stadt Niederlahnstein und einer Abhandlung mit dem Titel: " Das deutsche Grabmal des unbekannten Soldaten". Diese Abhandlung ist nicht datiert, dürfte aber bald nach der Denkschrift erschienen sein. In dieser Abhandlung, die die Bewerbung der Stadt Niederlahnstein und den Standort Lichterkopf unterstützt, wird ausführlich ein Aufsatz des schon erwähnten Professors Ebhardt zitiert, außerdem enthält sie die wichtigsten Passagen der o.a. Denkschrift. Als Illustrationen gehören dazu: eine Landschaftsskizze von Niederlahnstein und der Lahnmündung und zwei Ansichtsskizzen des geplanten Denkmals. Anhand dieser Unterlagen lassen sich m.E. exemplarisch Motive, Ziele und Begründungen studieren, die dem damaligen 'Zeitgeist' entsprangen und zu einem Boom an Denkmalsentwürfen führten.

Professor Bodo Ebhardt (1865-1945) hatte -wie bereits erwähnt- im Frühjahr 1928 den "Reichsausschuss für das Reichsehrenmal" gegründet. Von Haus aus war er Architekt, leistete aber auch als Forscher Pionierarbeit in der Burgenkunde und galt schon in der Kaiserzeit als Kapazität auf diesem Gebiet. Sein Durchbruch gelang ihm 1899, als er von Kaiser Wilhelm II. mit der Rekonstruktion der Hohkönigsburg bei Schlettstadt im Elsass betraut wurde. Sein mehrbändiges Werk über den "Wehrbau Europas im Mittelalter" setzte Maßstäbe in der Denkmalspflege. 1899 gründete er die "Vereinigung zur Erhaltung der deutschen Burgen", Vorläufer der "Deutschen Burgenvereinigung". 1900 erwarb diese Vereinigung für den symbolischen Preis von 1000 Mark die Marksburg bei Braubach, wo Ebhardt lange Jahre tätig war. 1909 erhielt er daher die Ehrenbürgerwürde von Braubach. Allerdings war er offensichtlich in seinen Kreisen nicht ganz umumstritten wegen seiner Geschäftstüchtigkeit. Es war also ein geschickter Schachzug der Niederlahnsteiner Stadtväter, wenn sie bei ihrer Bewerbung für das Reichsehrenmal auf ein Gutachten dieses renommierten Architekten und Burgenforschers, der durch seine Aufenthalte auf der benachbarten Marksburg die Gegend genau kannte, zurückgriffen. Ebhardt hat jedoch auch zu anderen rheinischen Ehrenmalprojekten Gutachten gefertigt.

Bereits 1925 hatte die Stadt Niederlahnstein den Platz auf dem Lichterkopf dem Reich unentgeltlich zur Verfügung gestellt, Kommissionen und den Reichskunstwart zu Besichtigungen eingeladen und ihre Bewerbung, wie bereits erwähnt, im Juni 1926 durch eine Denkschrift untermauert. Die Niederlahnsteiner waren sich ihrer Sache sehr sicher, denn im Vorwort der o.a. Abhandlung "Das deutsche Grabmal des unbekannten Soldaten" heißt es etwas hölzern formuliert:"...und der Reichstag wird nach den Ferien sehr wahrscheinlich dorthin (= Lichterkopf) das Grabmal des unbekannten Soldaten bestimmen." Außerdem rechnete man in Niederlahnstein - völlig unrealistisch - mit einem schnellen Zuschlag für den Lichterkopf und mit einer noch schnelleren Umsetzung der Baupläne, denn am Schluss dieser Abhandlung steht folgender optimistischer Satz: "...und es steht zu hoffen, daß am nächsten Jahrestag des Kriegsbeginns auf der Höhe von Niederlahnstein sich ein gewaltiges Kulturdenkmal das deutsche Grabmal des unbekannten Soldaten erheben wird."

Worauf gründete sich die große Zuversicht der Initiatoren in Niederlahnstein ? Hier sind fünf Punkte zu nennen:

1. Geographische Faktoren: Vom Lichterkopf aus sieht man weithin auf die umliegenden Mittelgebirge: Eifel, Hunsrück, Westerwald, Siebengebirge und sogar den Taunus. Umgekehrt ist der Lichterkopf durch seine "markante Kontur" auch von weither auffallend.

2. Geopolitische Faktoren: Der Platz liege an einem wichtigen "Achsenkreuz, das der Rhein mit seinen Nebenflüssen Lahn und Mosel bildet." Damit sei er "das Bindeglied für die Einheit von West und Ost von Süd und Nord."

3. Historische Faktoren: Grundsätzlich sollte das Ehrenmal an einen Ort kommen, der "eine Seele" hat und "durch innere, geschichtliche oder sagenhafte Beziehungen dem gesamten deutschen Volke besonders wert und teuer ist." Drei Orte bzw. Denkmäler werden hier als Beispiele genannt: der Kyffhäuser, das Völkerschlacht- und Hermannsdenkmal. In diesem Sinne führt die Denkschrift für den Standort Lichterkopf besonders viele historische Argumente an. Danach läge das Ehrenmal gewissermaßen im Mittelpunkt mehrerer historisch bedeutsamer Stätten und Bauwerke. Auf der Landschaftsskizze (s. Abb. 3) sind die wichtigsten eingezeichnet. Sie reichen von der Marksburg und der Steinschen Gruft im Süden bzw. Südosten bis zum Deutschen Eck und Ehrenbreitstein im Norden. Im Text der Denkschrift werden noch weitere Kulturdenkmäler genannt: die Martinsburg in Oberlahnstein, der Rittersturz oberhalb von Koblenz, die Kastorkirche am Deutschen Eck und die Stadt Andernach insgesamt. Zusätzlich zu Stein finden auch noch Joseph Görres, einer der bekanntesten Koblenzer, und der 1817 in Koblenz gestorbene Freiheitsdichter Max von Schenkendorf Erwähnung, wodurch die Bedeutung des Großraums Koblenz noch einmal unterstrichen und "geadelt" wird. Auch ein Hinweis auf Ernst Moritz Arndt, der ja - wie Schenkendorf - nicht vom Rhein stammte, und auf seine "Losung", der Rhein sei "Deutschlands Strom - nicht Deutschlands Grenze ", darf an dieser Stelle nicht fehlen. In diesem Zusammenhang formuliert die Denkschrift dann unmissverständlich, "daß das Stromgebiet des Rheins des Reiches "Herzland" ist. Hier am Rhein liegt kulturgeschichtlich und geschichtlich der Schwerpunkt Deutschlands. Um den Rhein ist das Ringen des Weltkrieges gegangen und im Westen ist die Entscheidung gefallen. Somit gehört das "Reichsehrenmal" hierher." Es folgt eine Polemik gegen die "mit dem Metermaß ermittelte Reichsmitte in Thüringen oder in Franken", womit wohl vor allem der Konkurrenzstandort Bad Berka gemeint war. Vielmehr müsse "das Volksbewußtsein des ferneren Nordens, Ostens und Südens Deutschlands...viel stärker, als dies durch den Weltkrieg geschehen ist, an den Rhein gekettet werden."

4. Finanzielle Aspekte:

Der 3. Abschnitt der Denkschrift widmet sich den Finanzierungsmöglichkeiten für das geplante Ehrenmal. Die Initiatoren sahen hier keine großen Probleme, da die "günstigen von der Natur gegebenen Verhältnisse" die Aufbringung der Mittel erleichterten. Man wollte rund fünf Millionen Reichsmark durch eine allgemeine Volksspende aufbringen. Diese Summe sollte als Unterstützungsfonds für Kriegsopfer angelegt und mit 6 % verzinst werden. Aus den Zinseinnahmen von jährlich 300 000 RM sollten Unterstützungsgelder gezahlt, die Errichtung des Ehrenmals und dessen spätere Unterhaltung bestritten werden. Eine weitere Einnahmequelle erwartete man dadurch, "daß jeder Besucher des Ehrenmals an Ort und Stelle sein Scherflein als freiwillige Spende gibt, die ihn berechtigt, eigenhändig eine Gabe Weihrauch auf das Fanal zu geben."

5. Verkehrsanbindung:

Die Verkehrsverhältnisse werden als ganz besonders günstig beschrieben. Man rechnete ja - vor allem am Volkstrauertag - mit der Teilnahme von "größeren Besuchermassen", deren An- und Abreise problemlos über den Bahnhof Niederlahnstein und die Nachbarstationen abgewickelt werden könnte. Außerdem gäbe es Straßenbahnverbindungen nach Koblenz, Omnibuslinien in alle Richtungen und eine Dampferanlegestelle in Niederlahnstein. Der beigefügte Lageplan (s. Abb. 4) verdeutlicht diese Konzeption. Die Doppelpfeile bezeichnen die "An- und Abmarschmöglichkeiten" von den verschiedenen "Sammelplätzen" am Fuß der Berge. Das schraffierte Rechteck auf dem Bergplateau wird erklärt als "Raum zur Anlage des Ehrenmals", es dürfte aber auch den Platz bezeichnen, an dem sich "größere Verbände an den anläßlich des allgemeinen Volkstrauertages stattfindenden Feierlichkeiten" aufstellen sollten.

Von der Konzeption her sollte das Ehrenmal zwei Funktionen abdecken: Rückwärts gewandt eine "Weihestätte...zum Andenken an unsere gefallenen Brüder", in die Zukunft blickend ein Ort, der "auch die Einheit des deutschen Volkes und unseres Vaterlandes verkörpert." Die vielen eben aufgezählten Bauwerke aus dem Mittelalter sollten auch eine abschreckende Wirkung haben, denn sie seien "Zeugen dieser - heute gottlob überwundenen- Kleinstaaterei. Das Reichsehrenmal würde... über den Erinnerungen an die alte Zerklüftung thronen und gleichsam die Mahnung aussprechen, die Max von Schenkendorf zur Zeit der Erhebung des deutschen Volkes gefunden hat:"Nimmer wird das Reich zerstöret, wenn ihr einig seid und treu." " Durch die Abtretungen und Besatzungszonen auf Grund des Versailler Vertrags und den Separatismus im Rheinland sah man damals die Einheit Deutschlands als gefährdet an.

Bei allem nationalen Pathos war den Denkmalsplanern jedoch bewusst, "daß nicht alle Kreise unseres Volkes mit Begeisterung dafür eintreten, daß diesen ungeheuren Opfern...ein Denkmal von einer Größe und Erhabenheit errichtet werde, das den unerhörten Geschehnissen entspricht." Man erkannte also ziemlich realistisch den "tiefen seelischen Zwiespalt, der...durch das deutsche Volk geht."

Welches waren nun die einzelnen Gestaltungsmerkmale des Ehrenmals ? Es war als Monumentalbau angelegt, wie man auf den beiden Ansichtsskizzen sehen kann, wo Menschen verschwindend klein vor der heroischen Kulisse stehen. Die Anlage erinnert ein wenig an das Tannenbergdenkmal , was seinen Wehrcharakter angeht. Allerdings bestand das Tannenbergdenkmal aus einem geschlossenen Achteck, das Niederlahnsteiner Denkmal sollte wohl nur zur Hälfte oder zu 3/5 geschlossen sein. Seine hohen gotischen Fenster wirken aber auch wie sakrale Elemente und weisen damit auf den quasi-religiösen Charakter dieser Weihestätte hin. Auf dem Bergrücken war bei einer Ausdehnung von 250 x 350 Metern genug Platz für dieses Monument. Es war sogar schon daran gedacht, die Weihestätte auf dem Bergplateau im Ausmaß von 1/2 km in der Breite und 1 km in der Länge zu erweitern. Das eigentliche Ehrenmal, dessen Hauptblickfang der Feuerturm war, gehörte zu einem größeren Ensemble, denn davor sollte noch eine "Straße des Schweigens" durch einen "Heldenhain" führen. Auch hier gab es weitergehende Pläne, denn man wollte den umgebenden Wald großräumiger mit einbeziehen und eine "zum "Reichsehrenhain" zu erhebende Naturanlage" schaffen. Eine bombastische Inszenierung war für den Abend des Volkstrauertags, der damals als Heldengedenktag am 2. Fastensonntag (im März) begangen wurde, vorgesehen. Auf dem Feuerturm sollte ein riesiges Feuer brennen, das durch zahlreiche kleine Blinkfeuer auf den ringsum liegenden Höhen aufgenommen werden sollte. Aber auch an normalen Tagen sollte der Besucher nach Möglichkeit symbolische Handlungen vollziehen: "Der Einzelbesucher dagegen, der die sanft bergan steigende "Straße des Schweigens" dahinzieht, könnte, an dem Ehrenmal angelangt, sein Scherflein dazu spenden, indem er dem hier gewissermaßen als Fanal immerdar glimmenden Weihrauchfeuer durch eine kleine Gabe Weihrauch immer und immer wieder neue Nahrung gäbe." Insgesamt wirkt diese Flammeninszenierung wie ein Vorgriff auf ähnliche nächtliche Massenveranstaltungen im "3. Reich".

Während das Denkmal auf der Lorcher "Toteninsel" im engen Rheintal eher abgeschieden liegen sollte, war das auf dem Lichterkopf ganz auf Sicht weithin angelegt. Die beiden Inseln bei Lorch waren, was den Raum anging, eher bescheiden und von Natur aus begrenzt, auch die geplanten Bauten waren dieser Begrenztheit angepasst. Auf dem Lichterkopf dagegen sollte alles von vornherein monumental, kraftvoll und wehrhaft sein. Eine Erweiterung auf noch riesigere Ausmaße war ohnehin schon vorgesehen. Auch in der Nähe der Lorcher Inseln liegen kulturhistorisch bedeutende Stätten, dennoch sollte das Denkmal hier mehr für sich allein wirken. Das Ehrenmal auf dem Lichterkopf dagegen war ausdrücklich bezogen auf die vielen Kulturdenkmäler und Berge in der Umgebung, deren unübersehbaren Mittelpunkt es bilden sollte.

Wie sah es nun aus mit der Realisierung des Projekts Lichterkopf ?

Bei der Durchsicht der Dokumente zum Reichsehrenmal lässt sich feststellen, dass das Projekt Lichterkopf - im Unterschied zum Optimismus der Niederlahnsteiner Planer - sehr bald aus dem 'Rennen' war und nur wenig Realisierungsaussichten hatte. Das früheste vorliegende Dokument ist ein Brief des Magistrats von Niederlahnstein an den von Lorch vom 18.5.1926. Hier versuchen es die Lahnsteiner zunächst mit einer Kooperationsstrategie. Beide Städte sollen sich gegenseitig unterstützen bei dem "Bergprojekt" (= Niederlahnstein) bzw. "Inselprojekt" von Lorch, Hauptsache das Reichsehrenmal kommt an den Mittelrhein: "Um Zersplitterungen möglichst zu vermeiden, müssten sich die ganzen Städte am Mittelrhein, die bislang mit eigenen Vorschlägen nicht offiziell hervorgetreten sind, zusammenschließen und sich gemeinsam für den Mittelrhein einsetzen." Auch weitere Städte und Kreise am Rhein wurden "um eine gleiche Unterstützung" gebeten. Am 4.7.1926 fand eine Besichtigungsfahrt der Berliner Ehrenmalkommission am Rhein statt, bei der laut Programm auch der Lichterkopf besichtigt werden sollte. Die Inspektion muss, wenn überhaupt, nur sehr oberflächlich abgelaufen sein, denn am 20.7.1926 wandte sich die Stadt Niederlahnstein an den Oberpräsidenten in Koblenz mit der Bitte um erneute Besichtigung des Standortes Lichterkopf.

Ein gutes Stimmungsbild zum Stand des Projektes gibt ein ausführlicher Artikel im "Coblenzer Generalanzeiger" vom 11.8.1926, der von einer Bürgerversammlung in Niederlahnstein (9.8.1926) berichtet, an deren Ende ein Arbeitsausschuss gegründet wurde. Zweck dieses Ausschusse sollte sein, "die Einwohnerschaft über die jetzige Lage hinsichtlich des Reichsehrenmals auf dem Lichterkopf aufzuklären und (der) weiterhin den entschiedenen Willen zum Ausdrucke bringen soll, eine unparteiische, sachliche Prüfung aller Rheinvorschläge zu erstreben." Besonders ausführlich referiert die Zeitung die Rede des Beigeordneten und Fabrikanten J.C. Schmidt. Auch er betont mehrfach, dass alle Pläne geprüft werden müssten und es den Niederlahnsteinern nicht darum gehe, andere Pläne anzugreifen und schlecht zu machen. Dennoch steht für Schmidt im Vordergrund, "die Vorzüge des Lichterkopfs hervorzuheben und tatkräftig den Vorschlag, dort das Ehrenmal zu schaffen, zu unterstützen." Nicht ohne Stolz weist er darauf hin, dass Niederlahnstein bereits im September 1925 erste Vorschläge gemacht habe und damit das erste "Rheinprojekt" sei, wohingegen sich Lorch erst im April 1926 in den Wettbewerb eingeschaltet habe. Besonderen Aufwind - so Schmidt - habe das Projekt Lichterkopf durch Äußerungen des Reichsinnenministeriums und Reichskunstwartes vom 30.9.1925 erhalten, die den "Vorschlag interessant und wertvoll" fanden. Das Ehrenmal hier sei auch - im Vergleich zu anderen Standorten - billig und durch die Verkehrsverhältnisse begünstigt. An dieser Stelle des Berichtes wird entgegen den Kooperationsplänen vom Mai 1926 doch die Rivalität zu Lorch sichtbar. Schmidt kann sich nämlich den Hinweis nicht verkneifen, dass auf einer Insel Massenveranstaltungen nicht möglich seien und man außerdem dort immer mit Hochwasser rechnen müsse. Etwas neidisch muss Schmidt aber die Vorteile der Lorcher Konkurrenz zugeben, die - personell gesehen - die besseren Beziehungen 'nach oben', z.B. zum Regierungspräsidenten in Wiesbaden, und mehr Unterstützung durch die Nachbargemeinden habe. Daher, und damit beendet Schmidt seine Argumentation, solle sich auch Niederlahnstein um die Unterstützung der Nachbargemeinden bemühen, z.B. die von Bad Ems, Braubach und besonders von Koblenz, für das der Lichterkopf das nächstliegende Projekt sei. Offensichtlich kalkulierten die Niederlahnsteiner überhaupt nicht die Festung Ehrenbreitstein mit ein, die für die Koblenzer viel wichtiger war und bald darauf als eigener Standort für ein Ehrenmal den anderen rheinischen Projekten den Rang ablief. Schmidt gibt sich dann in seinem Schlusssatz als guter Demokrat und sagt: " Wenn das Volk für einen anderen Plan entscheidet, werden wir einverstanden sein, wenn das Denkmal errichtet wird, wenn wir dann auch bedauern, daß es nicht hier geschieht."

Wenig später, am 14.8.1926, fand in Niederlahnstein eine Besprechung statt, an der als 'Ranghöchster' der Regierungspräsident von Wiesbaden teilnahm. Laut Niederschrift sagte dabei Bürgermeister Rustenbeck u.a.:"Weder die Reichsregierung noch die Reichsratskommission noch sonstige Stellen seien berechtigt, das Bergprojekt Lichterkopf auszuschalten, um dieses oder jenes Inselprojekt in den Vordergrund zu rücken." In diesen Worten kommt zum einen schon eine gewisse Resignation zum Ausdruck, zum andern auch wieder eine unverhohlene Konkurrenz zu dem "Inselprojekt" der Stadt Lorch, mit der man ja noch im Mai 1926 aus gemeinsamem mittelrheinischen Interesse eng zusammenarbeiten wollte. Drei Jahre später kam das endgültige 'Aus' für den Lichterkopf. Am 5.8.1929 fand wieder eine Besichtigungsfahrt statt, an der u.a. der ehemalige Reichskanzler Cuno, Oberpräsident Fuchs und Professor Ebhardt teilnahmen. In dem Bericht dazu hieß es lapidar: "Der nächste nach Ehrenbreitstein auftretende Vergleich bot sich, wenn wir das einstimmig abgelehnte Projekt Lichterkopf übergehen und zu dem Projekt des Eisenbolzes (d.h. Boppard) von Prof. Männchen kommen." Etwas ausführlicher wurde die Disqualifikation des Lichterkopfes am 5.12.1929 in einer Sitzung des Reichsehrenmalausschusses begründet (Bericht vom 8.2.1930) : "Der Lichterkopf bei Niederlahnstein ist zweifellos ein landschaftlich schöner Punkt, aber mit dem Mißverständnis, daß der Ausblick nach allen Seiten schön ist, während der Berg selber nicht die überzeugende Schönheit und Anziehungskraft hat, wie sie vorher geschildert war."

Zu Beginn des "3. Reiches" gewann übrigens der ungenutzte Standort Lichterkopf noch einmal kurzzeitig an Aktualität, denn am 12.6.1934 wandte sich der Bürgermeister von Niederlahnstein an die Frankfurter Außenstelle des Propagandaministeriums und bot den Lichterkopf als geeignete Stätte für einen der Thingplätze an, die damals geplant wurden. Doch auch diesmal wurde nichts aus dem ehrgeizigen Vorhaben, denn der finanzschwache Kreis St. Goarshausen konnte sich nur am Bau einer Thingstätte, der auf der Loreley, beteiligen (s. Abb. 7).

6. Reichsehrenmal einst - "Holocaustdenkmal" heute

Es ist im Rahmen dieser Darstellung natürlich unmöglich, die gesamte Diskussion ab 1988 um das "Holocaustdenkmal" aufzurollen und alle Entwürfe, alle Stellungnahmen von allen möglichen Gremien, Kommissionen und Einzelpersonen verständlich darzulegen. Nur auf einige Parallelen und Unterschiede bei beiden Vorgängen sollte hingewiesen werden: Über beide Denkmäler wurde rund elf Jahre diskutiert. Beide Denkmäler beziehen sich nicht auf eine glanzvolle, sondern vielmehr problematische Phase der eigenen Geschichte: es geht einmal um die zahlreiche Toten eines verlorenen Krieges und zum anderen um die "Bewältigung" des Massenmordes an den Juden durch das "3. Reich". Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass bei beiden Projekten ein hoher Anteil Emotionalität in der Diskussion zu spüren war. In beiden Fällen hat es eine "unselige ménage à trois" der Träger und 'Auslober' gegeben, deren mangelnde Kompetenz und häufige Konkurrenz den Entscheidungsprozess immer wieder verzögerten: Organe und Vertreter 1. von mehr privat ausgerichteten Förderkreisen, Ausschüssen und Interessenverbänden, 2. der Länder bzw. (1924) des Reichsrates, also des föderalen Elementes und 3. des Reiches bzw. Bundes. Die Kosten, die ja beim Reichsehrenmal nicht relevant wurden, beim "Holocaustdenkmal" zur Zeit noch offen sind, sollten beide Male hauptsächlich durch private Spenden, zum geringeren Anteil von den Ländern und vom Reich bzw. Bund abgedeckt werden. Bei beiden Diskussionen tauchte der Vorschlag auf, statt eines Neubaus ein bereits vorhandenes 'authentisches' Denkmal oder eine bestehende Gedenkstätte auszubauen (vgl. o. Kap. 4). Bei der Debatte um das "Holocaustdenkmal" etwa wurden dazu andere Stätten in und um Berlin genannt, z.B. die "Topographie des Terrors", das "Haus der Wannsee-Konferenz" oder das KZ Oranienburg-Sachsenhausen.

Doch auch auf wesentliche Unterschiede bei beiden Denkmalsdiskussionen soll hingewiesen werden: Die Initiative beim Reichsehrenmal ging von Politikern aus, beim "Holocaustdenkmal" kam der Anstoß mehr von Privatleuten, vor allem von der Journalistin Lea Rosh. Bei ersterem ging die Diskussion bereits sechs Jahre nach dem 1. Weltkrieg los, beim zweiten erst viel später, 43 Jahre nach dem Krieg bzw. 50 Jahre nach der "Reichkristallnacht". Das geplante Reichsehrenmal bezog sich nur auf Deutschland und eine einzige Opfergruppe, die eigenen Gefallenen. Das "Holocaustdenkmal" dagegen hat eine europäische Dimension, und bei ihm war heftig umstritten, ob nicht noch andere Opfergruppen - z.B. Sinti und Roma - mit einzubeziehen seien. Die Standortfrage war beim "Holocaustdenkmal" kein so langwieriges Problem. Es kam ohnehin nur Berlin in Frage. Beim Reichsehrenmal dagegen blieb die Standortfrage bis zum Ende der Weimarer Republik, wenn auch mit Vorteilen für Bad Berka, ungeklärt.

7. Schlussgedanken

1. An dieser Stelle sei zunächst eine zwar unwissenschaftliche, aber doch reizvolle spekulative Frage erlaubt: Hätte die Weimarer Republik ihr Projekt Reichsehrenmal zu Ende gebracht, wenn das "3. Reich" nicht gekommen wäre ? Vieles spricht m.E. dafür, denn durch den Beschluss der Reichsregierung vom 27.3.1931 war sicher eine Vorentscheidung für den Standort Bad Berka gefallen. Auch die Tatsache, dass zwei Tage später dort im "Heiligen Hain" eine schnell inszenierte Feierstunde stattfand, spricht wohl dafür. Es fehlte nur noch ein abschließendes Votum des Reichstags, wobei es allerdings bei den instabilen Mehrheitsverhältnissen der Weimarer Demokratie sicher doch noch eine Weile gedauert hätte, dieses zu erreichen.

2. Es ist verständlich, dass rheinische Abgeordnete, Politiker und Honoratioren - allen voran Professor Ebhardt - sich vehement für ein Reichsehrenmal am Rhein einsetzten, hatte man doch jahrzehntelang "Die Wacht am Rhein" besungen und beschworen. In der Kaiserzeit war man ja auch dieser Verpflichtung nachgekommen und hatte, wenn man den Abschnitt vom Rheingau bis nach Koblenz als Kernstelle des Flusses ansieht, hier mit Denkmälern deutliche Zeichen gesetzt, nämlich mit dem Niederwalddenkmal am Beginn und dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck als Abschluss dieser sagenumwobenen Strompartie. In der Kaiserzeit wurde auch noch bei Ober-Ingelheim ein Bismarck-Turm mit Blick auf die Germania errichtet, und zusätzlich - ebenfalls korrespondierend zum Niederwalddenkmal - war über der Nahemündung auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück ein großes "Bismarck Nationaldenkmal" geplant. (s. Abb. 6) Auch im "3. Reich" widmete man sich gezielt dieser Landschaft und baute an zentraler Stelle, nämlich auf der Loreley, ab 1934 eine Thingstätte (heute Freilichtbühne), die im Juni 1939 mit einer Aufführung von Schillers "Wilhelm Tell" eingeweiht wurde. (s. Abb. 7) Wäre nun auch in der Weimarer Zeit an diesem Flussabschnitt, entweder bei Lorch, Boppard, Niederlahnstein oder auf der Festung Ehrenbreitstein, das Reichsehrenmal entstanden, könnte man auf überschaubarem Raum Beispiele für die Denkmalskultur von drei wichtigen Abschnitten der jüngeren deutschen Geschichte sehen und studieren. Leider ist es dazu trotz über zehnjähriger Diskussion ab 1924 und zahlreicher Vorschläge nicht gekommen.

8. Literaturverzeichnis

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Rodekamp, Volker: Das Völkerschlachtdenkmal: was tun mit einem nationalen Symbol ? Dokumentation der "Frankfurter Rundschau", 31.12.1997

Scharf, Helmut: Kleine Kunstgeschichte des deutschen Denkmals, Darmstadt 1984

Schiller, Dietmar: Politische Gedenktage in Deutschland, in: Aus Politik u. Zeitgesch. B 25/93, S.32 ff.

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Tittel, Lutz: Das Niederwalddenkmal 1871-1883, Hildesheim 1979

Volkert, Heinz Peter: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck in Koblenz, Koblenz, 2. Aufl. 1993