Vorwort

Ihre Dörfer legen sie nicht in unserer Weise an, daß die Gebäude verbunden sind und aneinanderstoßen: jeder umgibt sein Haus mit freiem Raum, sei es aus Schutz gegen Feuersgefahr, sei es aus Unkenntnis im Bauen.

Aus Tacitus, Germania

Geschichte kennt keinen Anfang und kein Ende.

Einzelne Völker und Kulturen erleben eine Entwicklungsphase, eine Zeit der Höhepunkte und Perioden des Niedergangs und der Unterwerfung. Dennoch leben die Menschen unter einer anderen Führung weiter. Die kulturellen Leistungen werden häufig von ihren Nachkommen genutzt oder wenigstens respektiert.

Bei einer Gemeinde wie Dausenau ist die Situation anders. Es ist kein Gründungsakt überliefert, wie dies bei den Residenzgründungen der absolutistischen Fürsten der Fall ist, es gibt keine Gründungssage, wie bei den Stadtgründungen der alten Griechen oder der Weltstadt Rom. Dausenau ist einfach da, es taucht auf aus dem Nebel der Geschichte.

Für uns greifbar wird der Ort mit seiner ersten urkundlichen Erwähnung, die auf das Jahr 1244 datiert werden kann. Sicher ist, daß die Siedlung viel älter ist. Die letzten Jahre haben Erkenntnisse gebracht, die unsere Vorfahren noch nicht hatten, z.B. den Beweis, daß es im Jahre 1179 bereits eine Kirche gab, deren Turm noch heute besteht. Dausenau hätte also mit Fug und Recht vor knapp 20 Jahren sein 800jähriges Bestehen feiern können.

Aber ist Dausenau nicht noch älter? Dies ist wahrscheinlich, aber bisher nicht zu beweisen. Es gibt keine älteren urkundlichen Erwähnungen, es gibt keine Funde von früheren Bauten oder aus alten Gräbern. Es ist möglich, daß es auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde einzelne Behausungen gab, als das Römische Reich entlang der späteren Gemarkungsgrenze seine Staatsgrenze, den Limes, errichtete. Dies sind jedoch Spekulationen, die sich vielleicht einmal durch Bodenfunde erhärten lassen.

Befassen wir uns lieber mit greifbaren Daten. Am 26.7.1348 gewährte der junge Kaiser Karl IV. den Nassauer Grafen das Recht, die ihnen gehörenden Siedlungen Nassau, Scheuern und Dausenau zu befestigen und ihnen städtischen Charakter zu verleihen.

Dieses Datum war für mich als damaliger Ortsbürgermeister im Jahr 1992 Anlaß, Mit- streiter zu suchen, die das Wagnis der Dokumentation der Geschichte unserer Heimatgemeinde auf sich nehmen würden. Dieser Kreis von etwa zehn Autoren und Ratgebern hat sich im Laufe der Jahre nur wenig verändert, wenn auch in jüngster Zeit einzelne Texte von Mitbürgerinnen und Mitbürgern beigetragen wurden, die nicht von Anfang an zu den "Machern" der Chronik gehörten.

Es ist uns nicht gelungen, eine lückenlose Chronik nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu erstellen, wir mußten leider einzelne Epochen und viele Lebens- und Arbeitsbereiche wie die Landwirtschaft, den Weinbau und anderes mehr auslassen.

Wir hoffen, rechtzeitig vor Beginn des Jahres der 650-Jahrfeier dieses umfangreiche Heimatbuch vorlegen zu können, das viele Einzelveröffentlichungen zusammenfaßt, und dem wir wünschen, daß es auf ausreichendes Interesse stoßen wird.

Wenn die materiellen Rahmenbedingungen stimmen, ist es denkbar, daß es später einen Folgeband oder einen zusätzlichen Bildband geben wird, denn die Vergangenheit Dausenaus liefert noch Stoff für mehr.

Ich rufe Sie alle auf, sich der Geschichte Dausenaus zu widmen, es gibt noch viel aufzuarbeiten. Wer seine Geschichte nicht kennt, hat auch keine Zukunft!

Dank möchte ich nicht nur den fleißigen Mitautoren sagen, die in den Archiven in Wiesbaden, Koblenz und andernorts Quellenforschung betrieben haben und die ihre Freizeit diesem Heimatbuch gewidmet haben, den Helfern, die alte Bilder und Materialien zur Verfügung gestellt haben. Herausheben möchte ich Kurt Bruchhäuser und Stefan Fischbach, die jeder auf seine Art, mit Akribie Geschichtsforschung im Sinne des Wortes betrieben und eine Fülle von Informationen zu Papier gebracht haben.

Danken möchte ich ebenfalls den vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die mit kleinen und großen Spenden das Erscheinen dieses Buches erst ermöglicht haben und denjenigen, die das Buch bereits gekauft haben, ohne es zu kennen. Der Dank des Autorenteams gilt dem Gemeinderat, der einen Teil der Kosten des Buches übernommen bzw. vorfinanziert hat und dem Ortsbürgermeister Jürgen Linkenbach für die vielfältige Unterstützung.

Dank sagen wir den Lektoren Erwin Jung und Rolf Hübner sowie Silke Schäfer, die beigetragen hat, das Erscheinungsbild der Beiträge zu vereinheitlichen.

Danken möchte ich nicht zuletzt gerade Ihnen. Möge das Buch Ihnen Abwechslung bieten und Sie motivieren, sich der Vergangenheit und der Geschichte eines bescheidenen, aber liebenswerten Gemeinwesens wie Dausenau zu widmen.

Ihr

Gerhard Schäfer