Der Bergbau
von Dr. Hans-Jürgen Sarholz

1 Geologische Grundlagen

Der Bergbau hat im Rhein-Lahn-Gebiet Tradition. Bekannt sind vor allem die großen Blei- und Silberbergwerke bei Braubach, Lahnstein-Friedrichssegen, Bad Ems und Holzappel. Vom Mittelalter bis zur Industrialisierung gab es allerdings auch viele kleinere Gruben auf den verschiedenen Erzgängen. Diese Erzgänge verlaufen parallel zueinander von Südwesten nach Nordosten. Der Hömberg-Dausenauer Gangzug erstreckt sich vom Kloddersberg südlich von Dausenau zum nördlichen Lahnufer über die Herrenlei bis zum oberen Kaltbachtal nordöstlich von Hömberg. Er führt vor allem Kupfer- und in geringem Maß Bleierze. Von kleineren Versuchen abgesehen, wurde der Gangzug durch drei Gruben erschlossen. Der Gang der Nonnengrube am Kloddersberg südlich der Lahn und der Grube Oberberg nördlich des Flusses an der Herrenlei, am östlichen Ausgang von Dausenau, führte vor allem Kupfererze, während auf der Grube Kaltenbach bei Hömberg Bleiglanz, Zinkblende und Kupferkies anstanden.

2 Vorindustrieller Bergbau

Über die Anfänge des Bergbaus auf diesem Gangzug ist nichts bekannt. In Dausenau wurde 1496 eine Frühmesse zu Ehren der Heiligen Anna gestiftet. Gensicke erblickt darin einen Hinweis auf möglichen Bergbau. Ob es wirklich so gesehen werden kann, sei dahingestellt. Der älteste schriftliche Beleg für das Dausenauer Bergwerk ist ein Aktenumschlag von 1655 mit dem Titel: 'Acta von der Betreibung des alten Bergwercks i. A. 1655 u. f'. Daraus geht hervor, daß man damals ein bereits altes und längst nicht mehr betriebenes Bergwerk wieder in Betrieb genommen hatte. Allerdings enthält die Akte Schriftgut zu anderen Gruben, nämlich bei Hömberg, Nassau, Sulzbach und Scheuern. Aus welcher Zeit das 1655 wieder begonnene alte Dausenauer Bergwerk stammt, muß offen bleiben. Vermutlich wurde es im Spätmittelalter oder im 16. Jahrhundert, der Blütezeit des deutschen Bergbaus, begonnen. Es ist somit auch müßig zu spekulieren, ob etwa ein Zusammenhang zum Aufblühen des Städtchens im 14. und 15. Jahrhundert besteht. Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) verwüstete weite Teile Deutschlands, forderte mit seinen Begleiterscheinungen wie vor allem der Pest enorme Opfer unter der Bevölkerung und ruinierte die Wirtschaft. Geregelter Bergbau war kaum möglich. Die Nachkriegsjahrzehnte brachten eine Phase des Wiederaufbaus und der Belebung von Gewerbe und Handel. Auch Bergbau und Eisenproduktion verzeichneten Zuwachsraten. So ist es verständlich, daß gerade aus der Nachkriegszeit, 1655, die erwähnte erste sichere Nachricht über den Dausenauer Bergbau vorliegt. Im Nachbardorf Hömberg wurde die Grube Kaltenbach bereits 1631 betrieben, fiel aber während des Krieges ins Freie, wurde also aufgegeben. 1658 wurde sie wieder in Betrieb genommen, aufgewältigt, wie es in der Sprache der Bergleute heißt.

Auch das alte, 1655 erneut in Betrieb gesetzte Dausenauer Bergwerk fiel nach 1655 wohl wieder ins Freie. 1698 erwarben neue Betreiber einen Mutschein, d. h. eine Konzession, nach Erzen zu suchen. Die Betreiber eines Bergwerks nannte man Gewerken. Sie bildeten eine Gewerkschaft mit meist 128 "Kuxen", Anteilen an den Investitionen. Die Gewerkschaft als bergrechtliche Gesellschaft war eine früher häufig vorkommende Kapitalgesellschaft, vergleichbar mit einer Aktiengesellschaft. War die Suche nach Erz erfolgreich, so konnte sich die Gewerkschaft vom Landesherrn mit der Grube belehnen lassen. Gab sie den Betrieb auf oder unterbrach ihn zu lang, so fiel die Grube ins Freie, konnte also von den landesherrlichen Bergbehörden neu vergeben werden. Die Dausenauer Gewerkschaft, die sich 1698 einen Mutschein erteilen ließ und Anfang 1699 die Arbeit aufnahm, bestand aus acht Gewerken, darunter Wilhelm Remy und sein Sohn, aus der später so bedeutenden Bendorfer und Höhr-Grenzhausener Unternehmerfamilie Remy. Offenbar verlief die Schürfarbeit erfolgreich, denn bereits am 15. Februar 1699 erbat die Gewerkschaft die Belehnung. Interessant ist, daß sie den noch nicht sehr spezialisierten nassauischen Behörden gleich einen Entwurf vorlegte, wie sie sich den Text der Lehnsurkunde vorstellte. Sie schätzte die Aussichten ihres Bergwerks so gut ein, daß sie schon bald, vermutlich 1699, eine Schmelzhütte für das gewonnene Kupfer errichtete. Dieses Hüttenwerk war die spätere Blumenmühle (heute Minorsmühle, Langgasse). Ihre Anfänge gehen also auf die Schmelzhütte zurück, in deren Hochöfen um 1700 das Kupfer aus dem Dausenauer Oberberg geschmolzen wurde.

Die Betriebsentwicklung des Kupferbergwerks am Oberberg um 1700 läßt sich nur bruchstückhaft verfolgen. Die Aussichten schienen zunächst gut gewesen zu sein. Dann allerdings geriet die Gewerkschaft in Schwierigkeiten. Gegenüber den Aufsichtsbehörden gab sie an, sie sei durch 'Veruntrewung der Arbeiter zum Nachlassen genöthiget worden, wie solches gantzen Gemain zu Dausenau wissend ist'. So erwies sich auch der frühe Bau einer Schmelzhütte als teure Fehlinvestition und man bemühte sich, das Hüttenwerk als Mahlmühle zu verkaufen. Aus einer anderen Akte geht hervor, daß die Grube schon 1665 erwähnt ist. In einem Bericht von 1708 heißt es, daß die kurtrierischen Untertanen das inzwischen wieder aufgegebene Dausenauer Kupferbergwerk vor einigen Jahren (also um 1700) betrieben und Schmelzhütte und Werkswohnungen erbaut hätten. Die Gewerkschaft muß anfangs in der Tat erfolgreich gewesen sein, denn es wird weiter berichtet, 'daß die Untertanen zu Nassau und Dausenau viele Nahrung von ihnen und ihren Arbeits Leuthen gehabt hätten'. Beim Probeschmelzen zeigte sich, daß die Arbeit vergeblich und die Investitionen verloren waren. Die Gewerken zeigten den Schaden an und baten, 'daß das Gebäud so zum Auffenthalt oder Wohnung und auch zu einer Schmeltz angefangen zu bauen, verkauft werden durfte'. Es fand sich aber kein Käufer, und auch der Vorschlag, daß die Hömberger Bergwerksgewerkschaft der Dausenauer Gewerkschaft 'solche Wohnung und Schmeltz hätten abkauffen möchten', konnte nicht umgesetzt werden. Noch 1751, lange nach dem Ende des Betriebs, ist im Dausenauer Kirchenbuch ein Johann Philipp Scheuern als 'civis et metalli fusor', als Bürger und Erzschmelzer erwähnt.

Veruntreuung war also nach Aussage der Betreiber die Ursache für die Stillegung des Bergwerks, mangelhafte Resultate wurden von anderer Seite als Grund genannt. Ein weiteres Schriftstück, das im übrigen die Vorgänge bestätigt, besagt, daß die Grube wegen des eindringenden Wassers aufgegeben werden mußte. Jedenfalls scheint ihr frühes (vorläufiges) Ende nicht oder nicht nur an der von der Gewerkschaft ins Feld geführten Veruntreuung durch die Arbeiter gelegen zu haben. Die inzwischen verfallene und ungenutzte Schmelzhütte gehörte um 1730 anteilig dem Grafen von Nassau-Weilburg, dem Baron von Creuz und den beiden nassauischen Amtmännern Goedecke und Erzmann. 1732 wurde das Anwesen samt Kohlenschuppen, Wiese und den bereits ausgebauten und im Rathaus gelagerten Blasebälgen versteigert. Schließlich erwarb Johann Jakob Blum von der älteren Blumenmühle (heute Waldesruh) die Immobilie und baute sie im Verlauf der nächsten Jahre zur Mahlmühle um. Nach einem späteren Besitzer heißt die ehemalige Schmelz oder jüngere Blumenmühle heute Minorsmühle. 1751 ist Blum als Müllermeister in der Schmeltz im Rosengarten erwähnt. Die Schmelz ist unter diesem Namen auch schon 1738 erwähnt. Noch um 1800 sollen auf ihrem Hof Schlacken frei gelegen haben, dann legte der Schmelzmüller auf dem Schlackenplatz einen neuen Garten an. Weil man auch später noch auf Schlacken stieß, ließ der neue Besitzer Heinrich Minor nach 1866 nochmals Grund anfahren.

Ein anderes Bergwerk bestand im Distrikt Goldkaut, der unterhalb des Repselskopfes zwischen Dausenau und Bad Ems zu suchen ist. Seit 1699 wurden dort Schächte eines alten Bergwerks mit großen Kosten gesäubert und ein tiefer Stollen getrieben, der schließlich im 90. Lachter einen Kupfergang erreichte. Der Flurname Goldkaut kommt nach Maxeiner 1734/36 im Dausenauer Pastoreizinsregister und 1740 im Lagerbuch vor. Bei der Taufe ihrer Tochter am 27.5.1745 sind im Taufregister erwähnt: 'Johann Heinrich Hoffmann, ein Bergmann, der allhier arbeitete auff dem Bergwerck auff der Baderlay und von Herrn Remy zu Bendorf gezahlet wird, sonsten gebürtig aus Saalfeld in Thüringen, und Maria Elisabetha'. Die Erzgrube auf der Goldkaut wird auch 1802 erwähnt. Die Familie Remy war also auch 1745 im Dausenauer Bergbau engagiert. Die Grube Goldkaute war nach Bechers 1789 erschienenem Bericht außer Betrieb. Sie scheint jedoch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht unbedeutend gewesen zu sein. Ihre genaue Lage ist heute nicht bekannt. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit dem Grubenfeld, das im 19. Jahrhundert unter dem Namen "Königsgrube" auf Kupfer verliehen war und auf der Geologischen Karte am Hang der Bäderlei im großen Lahnbogen zwischen Dausenau und Bad Ems eingetragen ist.

Während der Blütezeit des Dausenauer Bergbaus um 1700 entstanden außer den Gruben Oberberg und Goldkaute weitere Gruben. Bergsteiger Konrad Grün vom Dausenauer Kupferbergwerk (Oberberg) zeigte 1700 den Behörden an, daß er am Rahmberg ein weiteres Werk geschürft hatte, wie auch zwischen dem erstgenannten Kupferbergwerk und dem Emser Bad noch ein weiteres. Ein altes Bergwerk lag nach mündlicher Information von 1931 auch in der mittleren Odenbach. Da dieser Taleinschnitt vom Rahmberg herkommt, könnte möglicherweise dieselbe Grube gemeint sein. Königsgrube, Repselskopf und der eigentliche Rahmberg liegen auf demselben Gangzug. Nach Maxeiner bestand früher (wann?) ein Bergwerk im Körberig (Kirchberg), zwischen dem Solweg und dem Repsel. Ein alter Stollen befand sich nach seinen Aufzeichnungen zwischen Bad Ems und Dausenau, 'wo an der Landstraße längs der Lahn die Langewies und der Breitwasem aneinanderstoßen'. Für diese Stelle fand Maxeiner im Lagerbuch von 1740 den Beleg 'berg Werck'. Es war die Grube, die im 19. Jahrhundert unter dem Namen "Felixgrube" auf Blei verliehen war. Diese Grube ist vielleicht auch gemeint, wenn 1733 ein ins Freie gefallenes Bergwerk bei Dausenau auf dem 'Salberg' erwähnt ist, denn der Solweg führt von der heutigen Straße zwischen Bad Ems und Dausenau den Hang hinauf, auf dem die Felixgrube lag. Im Bereich von Solweg und Kirchberg sind noch Haldenreste erkennbar.

Außer der Grube Oberberg entstand ein weiteres Dausenauer Bergwerk von einiger Bedeutung. Es war die Grube am Kloddersberg, im 19. Jahrhundert als Nonnengrube bekannt. Ihre Geschichte beginnt 1703. Ein amtlicher Bericht vom 16. November 1703 meldete, daß 'das Dausenauer Kupferbergwerck gäntzlich zurückgegangen und das Hömberger auch nicht recht in Fortgang kommen will...' Anlaß des Berichts war das Gesuch vom 14. November eines Steigers Johann Crämer, der sich mit Georg Teichmann als Lehnsträger (und damit als Investor) zusammengetan hatte, 'gegen Dausenau herüber im Clodersberg anzuschlagen'. Am 31. Januar 1704 erhielten Crämer und Teichmann die Erlaubnis, 'oberhalb diesem Orth, am Gladersberg, ein neues Bergwerck auff zu richten'. Ihnen wurde für sechs Jahre Zehntfreiheit gewährt und die Erlaubnis erteilt, später eine Schmelzhütte und ein Pochwerk anzulegen. Der Belehnung diente die Hömberger Bergbelehnung von 1701 als Vorlage, wo jedoch nur fünf Jahre Zehntfreiheit gewährt worden waren. In beiden Fällen sollten die Untertanen Holz zu billigem (d. h. zu nicht überhöhtem) Preis liefern.

Die Grube am Oberberg lag nach der Aufgabe um 1705 offensichtlich nicht lange still. In ihrem Bereich scheint ein neuer Einschlag zu einem Kupferbergwerk erfolgt zu sein, den Bergleute des inzwischen ebenfalls aufgegebenen Hömberger Bergwerks (Kaltenbach) 1708 unternahmen. Mit der Grube oberhalb von Dausenau wurden 'einige Berg verständige alß Johan Jost Marquard, Caspar Daniel Barth u. Cons., Steiger des Hömberger Bergwerks, belehnt'. Seit 1709 betrieben Jost Marquart, Daniel Borth und Consorten das Kupferbergwerk "Neuer Segen" oberhalb Dausenau, das sie am 27. Februar des Jahres in Erbleihe erhalten hatten. Vor 1719 zeigte sich, daß sie es trotz redlicher Bemühungen nicht halten konnten, da ihnen das Kapital fehlte. Sie überließen es anderen Interessenten mit der Bedingung, daß ihnen nach und nach die zugeschossenen Kapitalien zurückgezahlt würden. Mit den Schwierigkeiten des Unternehmens hängt wohl zusammen, daß 1716 Dausenauer Bergleute rückständigen Lohn einforderten. Im Dausenauer Pastoreizinsregister ist 1734/36 und 1757 nach Maxeiner im Bereich der Grube Oberberg die Bezeichnung Grube erwähnt. Wie lange das Dausenauer Kupferbergwerk im 18. Jahrhundert in Betrieb stand, ist nicht bekannt. Es warf offensichtlich keine guten Gewinne ab. Mehrere Versuche wurden unternommen, es wieder in Gang zu bringen: 1726 durch Amtmann Christoph Goedecke, 1732 durch den Bergmann Christoph Wild aus Nassau mit Gewerken aus Braubach. Bei diesen Versuchen um 1730 wurden alte Schächte aufgesäubert, und ein neuer tiefer Stollen wurde vorgetrieben, der im 90. Lachter Kupfer brachte, das in Braubach probegeschmolzen wurde. Auch Wild gab wohl bald wieder auf. Ab 1742 jedenfalls nahm er den Bergbau auf den alten Bad Emser Silbergruben auf. Das verlassene Dausenauer Bergwerk kaufte 1770 der Marquis von Hoensbroich zusammen mit allen anderen Gruben im Amt Nassau, und vor 1794 versuchten zwei andere Unternehmer, Schapper und Dietz, ihr Glück. Gelegentlich sind Bergleute im Dausenauer Kirchenbuch erwähnt, so am 22.10.1791 ein Bergknappe dahier.

Zusammenfassend ist festzustellen, daß es in Dausenau in der zweiten Hälfte des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts drei nicht unbedeutende Kupferbergwerke gegeben hat, die späteren Gruben Oberberg, Nonnengrube und, wahrscheinlich, Königsgrube. Vor allem der obere Stollen der Grube Oberberg ist mit seinem für vorindustrielle Stollen typischen Profil als von Hand (ohne Sprengstoff) aufgefahrene Stecke ein eindrucksvolles Bodendenkmal. Im vorindustriellen Dausenauer Bergbau wurden Stollen von teilweise 90 Lachtern (180 Metern) nur mit Schlägel und Eisen in den Berg getrieben. Die Spuren der Werkzeuge sind noch im oberen Stollen des Oberbergs zu erkennen. Da man im Bergbau ohne Schwarzpulver nur wenige Meter im Jahr vorankam, muß das Dausenauer Kupferbergwerk im 17. und 18. Jahrhundert und früher insgesamt jahrzehntelang in Betrieb gestanden haben.

3 Dausenauer Bergbau zur Zeit der Industrialisierung

Die Wirren der Koalitionskriege und der anschließenden napoleonischen Zeit um 1800 dürften auch die letzten bergbaulichen Tätigkeiten, wenn es sie denn überhaupt noch nach der Mitte des 18. Jahrhunderts gegeben hat, zum Erliegen gebracht haben. Aber das beginnende Industriezeitalter ließ auch in Dausenau den Bergbau im 19. Jahrhundert wieder aufleben. Die wichtigste Grube blieb Oberberg. Der Grubensteiger Georg Müller von der Grube Lindenbach bei Bad Ems bat 1827 um die Erteilung eines Mutscheins für die auflässige Blei-, Silber- und Kupferzeche im Distrikt Oberberg, und auch andere Interessenten meldeten sich. Schultheiß Alwitz zu Sulzbach erhielt schließlich vom Amt Nassau im gleichen Jahr den Mutschein, aber erst 1834 wurde eine Belehnung erteilt. Bis dahin hatten nur ein Hauer und ein Karrenläufer im oberen Stollen in jeweils zwölfstündigen Schichten gearbeitet, Steiger Müller übte die Aufsicht aus. 1834 war zusätzlich ein Lehrhauer angestellt. Schon 1838 oder 1839 wurde die Grube stillgelegt, und 1839 wurde sie erneut verliehen, um wiederum nach einiger Zeit aufgegeben zu werden. Der rasche Besitzerwechsel endete erst 1855, als Alfred Fadé aus Braubach mit der Grube Oberberg belehnt wurde. Bergverwalter Philipp Müller ließ 1855 in Gedingen in den Stollen 2 und 3 arbeiten. Im Juli des Jahres waren sechs Arbeiter auf der Aufbereitung mit dem Scheiden, Setzen und Waschen der Erze beschäftigt und erhielten für ihre insgesamt 25 Schichten 6 Gulden 41 Kreuzer. Später standen 11 Arbeiter auf der Lohnliste. Auf der Grube Oberberg gab es 1856 vier alte, noch befahrbare (d. h. begehbare) Stollen, von denen der obere 17, der untere 90 Lachter bis zum Gang aufgefahren waren. Der Betriebsplan sah in jenem Jahr für die Zukunft 21 Beschäftigte vor, aber schon 1858 wurde der Betrieb zeitweise unterbrochen, und außer dem Bergverwalter und dem Schichtmeister gab es nur zwei Hauer. 1859 zeigte Fadé den Bergbehörden den Betriebsstillstand an.

Das Grubenfeld wurde 1863 und 1866 reguliert und vergrößert. Schon in den fünfziger Jahren bemühte sich die Braubacher Gewerkschaft Conturat & Co. als Besitzerin der Bergwerke zu Dausenau um die Genehmigung zur Anlage eines Poch- und eines Waschwerks unterhalb der Zeche Pauline vor Nassau. Aus den dreißiger Jahren, als die Grube in geregeltem Betrieb stand, dürfte das Grubenhaus am Berghang stammen. Es ist ebenso wie die Halde deutlich erkennbar auf einem um 1850 entstandenen Stahlstich von Dausenau (Abb.1). Die Lage entspricht wohl der Grube Lina (s.u.), die erst später mit Oberberg konsolidiert wurde. Über den Grubenbetrieb liegen nur wenige Angaben vor. Der Abbau erfolgte im Firstenbau, d.h. im Stollen nach oben. In den kleineren Gruben - ihnen ist Oberberg zuzurechnen - wurden die Erze mit Laufkarren aus dem Stollen gefördert und wo es Schächte gab - davon ist in Dausenau nichts bekannt - mit von Hand betriebenen Haspeln. Den Stand des Ausbaus der Grube Oberberg beschrieb Odernheimer 1864 folgendermaßen: 'Der Stollen Nro. 4 ist 7 Lachter lang bis zu dem Gange und auf diesem 20 Lachter aufgefahren. - Der Stollen Nr. 3 ist 30 Lachter lang bis zum Anhieb der Gänge, auf denen er noch weitere 70 Lachter aufgefahren ist. - Der Stollen Nr. 2 ist 20 Lachter und der Stollen Nr. 1 90 Lachter lang. Aus letzterem sind 40 Lachter Strecken aufgefahren und bringt derselbe gegen Stollen Nr. 4 eine Seigerteufe von 33 Lachter ein.' Die Grube stand allerdings weiterhin außer Betrieb. Louis Fadé, der Vater des Grubenbesitzers, stammte aus Paris und hatte 1855 die Braubacher Silberschmelze erworben. 1863 verkaufte er sie seinem Sohn Alfred, der auf seiner Braubacher Hütte Blei-, Silber- und Kupfererze verarbeiten ließ, also genau jene Rohstoffe, die er aus seiner Dausenauer Grube zu beziehen hoffte. Fads Hütte verursachte in Braubach bereits damals beträchtliche Umweltschäden, deren sich die Menschen sehr bewußt waren. Das Werk blieb aber der wichtigste Arbeitgeber in Braubach, bis das Unternehmen in der großen Wirtschaftskrise der Gründerzeit in beträchtliche Schwierigkeiten geriet, die Fadé ab 1875 zum Verkauf an Samuel Benedict Goldschmidt aus Mainz zwangen. Goldschmidt erwarb 1877 auch die Dausenauer Grube Oberberg von Fadé und verkaufte sie bald darauf an die Silber- und Blei-AG Friedrichssegen. Diese besaß auch das 1875 verliehene Zinkbergwerk Oberberg II und das 1871 verliehene Bleibergwerk Lina.1881 erwirkte die Friedrichssegener Blei- und Silber-AG die Konsolidierung der drei Dausenauer Gruben unter dem Namen "Consolidierte Blei-, Kupfer- und Zinkerzgrube Oberberg". Die Friedrichssegener Gesellschaft setzte Oberberg 1879 zeitweise wieder in Betrieb, und auch um 1890 wurde noch gearbeitet. Der liegende, d. h. tiefere Gang war um diese Zeit 180 Meter weit überfahren worden, der hangende (höhere) 100 Meter weit verfolgt. Der Betrieb wurde aber wohl vor der Jahrhundertwende endgültig eingestellt. 1900 wurde die Grube Oberberg an die Zielinger-OHG in Berlin überschrieben, Generalbevollmächtigter war Bergwerksdirektor Leuschner von Friedrichssegen, später Bad Ems. Der Wert der inzwischen stilliegenden Grube wurde 1912 mit nur 500 Mark angegeben. 1925 übernahm die Gesellschaft Viktoria zu Köln die Grube und machte im folgenden Jahr den unteren Stollen auf und in einer Strecke von 46 Metern wieder "fahrbar" (begehbar), bat 1933 auch um die Genehmigung zur Fortsetzung der Untersuchungsarbeit, aber es kam nicht mehr zur Betriebsaufnahme. Auch unter der Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg, die die Grube 1936 erwarb, wurde der Bergbau auf der Grube Oberberg nicht mehr aufgenommen.

Die alte Kupfererzzeche am Kloddersberg war im frühen 19. Jahrhundert ebenfalls verlassen. 1836 ließ sich Philipp Heinrich Müller zu Dausenau für diese Grube, die nun Nonnengrube genannt wurde, einen Mutschein erteilen. Einen nicht unbedeutenden Bau mit Stollen und Schächten hätten die Alten dort bereits angelegt, hieß es damals. Belehnt wurde im gleichen Jahr Berginspektor von Ey zu Emserhütte. 1843 fiel die Grube ins Freie, aber schon im folgenden Jahr erhielt von Ey eine neue Belehnung. 1848 und 1853 erfolgen weitere Besitzerwechsel. 1859 wurde die Nonnengrube gefristet, ihr Betrieb wurde ausgesetzt, während der Besitzer, Friedrich Russler aus Wiesbaden (seit 1858), seine Anrechte auf Dauer der Stillstandsfrist behielt. In der Nähe wurden weitere Erzvorkommen entdeckt. Bergverwalter Philipp Müller ließ sich 1858 einen Mutschein auf Blei- und Silbererzgänge im Distrikt Kloddersberg erteilen, verzichtete aber 1860 auf seine Anrechte, und Carl Luther aus Singhofen erhielt statt seiner einen Mutschein. Bürgermeister Reinhardt von Dausenau bat 1860 um einen Mutschein auf einen Blei- und Silbererzgang, auf den er bei Steinbrucharbeiten im Distrikt Kloddersberg gestoßen war. Unklarheit bestand, ob der Gang noch zur benachbarten Nonnengrube gehörte. Zur Erteilung des Mutscheins scheint es nicht gekommen zu sein. 1864 war auf der gefristeten Nonnengrube der obere Stollen 15 Lachter, der mittlere 20 Lachter auf dem Gang aufgefahren. Der tiefste Stollen lag 14 Lachter tiefer als der obere und 38 Lachter über dem Lahnspiegel und erreichte nach 6 Lachtern den Gang. Nachdem auf der Nonnengrube die Stillstandsfrist aufgehoben war, wurde sie an J. W. Burckart zu Köln verliehen, der sie mit Unterbrechungen in den nächsten Jahren behielt. 1875 gelangte sie an die Gewerkschaft Nassau, 1890 an eine Kölner Gewerkschaft, und seit 1951 gehört sie der Altenberg Metallwerke AG Essen. Bergbau wurde auf ihr seit dem späten 19. Jahrhundert wohl nicht mehr betrieben.

Die Grube Oberberg hatte 1864 eine Ausdehnung von 43.750 Quadratlachtern, die Nonnengrube nur 588 Quadratlachter. Während beide Gruben zu dieser Zeit außer Betrieb standen, wurde die auflässige Grube Gutehoffnung in der Mohrendell, in Oberlahnsteiner Gemarkung dicht an der Dausenauer Grenze, wieder in Betrieb genommen. Allerdings scheint es sich nur um einen Versuch gehandelt zu haben. Außer den beiden großen Gruben Oberberg und Nonnengrube gab es in Dausenau noch einige kleinere Gruben. So gab es 1874 eine Grube Hallgartergasse, die auch in der Geologischen Karte 1892 als Bleierzgrube eingetragen ist. Nach einer Meldung des Lahn-Boten vom 1. Dezember 1886 verkaufte der Dausenauer Bergwerksbesitzer Philipp Klöppel seine zwischen Dausenau und Ems liegende Bleierzgrube an einen Herrn Krumm in Biebrich und einen in Sonnenberg lebenden Niederländer. Vermutlich handelte es sich um die Felixgrube, die im 19. Jahrhundert wohl nicht mehr betrieben wurde. Maxeiners Informanten erinnerten sich noch an ein Bergwerk, das vor 50 Jahren, also um 1880, gegenüber der Neumark bestand. Auch notierte er, daß man damals auf Ocker in der Oberbach am Fuße des Heidenkopfs grub. Beim erstgenannten Bergwerk muß es sich um die Kupfergrube Barbarossa und die Bleigrube Karl IX. in der Gemarkung Zimmerschied im Unterbachtal gehandelt haben, während letztere auf der Geologischen Karte von 1891 als Katharina IV. und in einer späteren Ausgabe als Kaltenbach IV. eingetragen ist. Vermerkt sind in der Geologischen Karten um 1890 folgende Verleihungen von Grubenfeldern im Raum Dausenau:

 

Felixgrube Dausenau

   

Pb

   
 

Barbarossa Zimmerschied

 

Cu

     
 

Carl IX Zimmerschied

   

Pb

   
 

Lohberg Zimmerschied

 

Cu

     
 

Kaltenbach Hömberg

Ag

Cu

Pb

 

Zn

 

Kaltenbach II daselbst

 

Cu

     
 

Schorr

 

Cu

 

S

 
 

Hilarius

   

Pb

 

Zn

 

Hahnenkopf daselbst

 

Cu

     
 

Oberberg daselbst <!>

 

Cu

Pb

 

Zn

 

Lina

   

Pb

   
 

Hallgartergasse <!> bei Dausenau

   

Pb

   
 

Nonnengrube daselbst

 

Cu

Pb

   

_ auch auf Dachschiefer verliehen

           

Die Verleihung von Grubenfeldern sagt noch nichts über den tatsächlichen Betrieb aus. Selbst die beiden einzigen bedeutenden Gruben Dausenaus im 19. Jahrhundert, Oberberg und Nonnengrube, waren, wie gezeigt wurde, nur zeitweise in Betrieb. Odernheimer erwähnt außer diesen beiden Gruben nur den Versuch in der Mohrendell, und auch die Erläuterungen zur Geologischen Karte von 1892 und die Bergamtsbeschreibung von 1893 nennen nur diese beiden Gruben.

Der Bergbau bei Dausenau, so kann abschließend festgestellt werden, war nie von ähnlicher Bedeutung wie der benachbarte Bergbau auf dem Emser und Holzappeler Gangzug. Der Kupferbergbau hat aber ein recht hohes Alter und erreichte vor allem vor der Industrialisierung, bis zum frühen 18. Jahrhundert, eine bemerkenswerte Ausdehnung. Auch im 19. Jahrhundert kam es vor allem in den Bereichen der Grube Oberberg und der Nonnengrube über längere Zeit zu regelmäßigem Grubenbetrieb, der aber, bis auf vereinzelte Versuche, bereits vor der Jahrhundertwende zum Erliegen kam.

Anmerkungen

Sarholz: Vorindustrieller Bergbau Geolog. Karte, Erläuterungen, S. 31 und Beschreibung Bergamtsbezirk Diez, S. 131

Gensicke, S. 251 HSTAW 350/XX,2 Hömberg, S. 25 und Sarholz, S. --Zu Remy:

Beck: Remy, S. 18 f, 22 f und Stammtafel HSTAW 350/XX,4 HSTAW 350/XX,4 HSTAW 350/XX,8 SABE 5/2/82, H. 2 (Forschungsnotiz Maxeiner) HSTAW 350/XX,6

Josef Kläser: Mühlen und Müller in Dausenau. Teil 2. In: RLK 1996, S. 167-177, bes. S. 168 f SABE 5/2/82, H. 2 Beschreibung 1897, S. 160 SABE 5/2/82, H. 2

Becher, S. 17 Geologische Karte 1:25000 HSTAW 350/XX,4

Maxeiner 5/2/82, H. 2 SABE 5/2

Maxeiner, 82, H. 2 Geolog. Karte HSTAW 350/XX,6

Information Kurt Bruchhäuser, Dausenau HSTAW 350/XX,4 HSTAW 350/XX,8 HSTAW 350/XX,10 HSTAW 350/XX,11 SABE 5/2

Maxeiner, 82, H. 2, nach seiner Lageangabe beim damaligen neuen Pfarrhaus, also in der Nachbarschaft des heutigen Pfarrhauses unterhalb der Herrenlei

Gensicke, S. 251 f HSTAW 350/XX,6

Gensicke, S. 251 f KB BA Oberberg HSTAW 235/222

Ansicht von Dausenau, gezeichnet von Oeder, Stich von Rohbock, veröffentlicht u. a. in Aloys Henninger: Herzogtum Nassau. Odernheimer, S. 144

Odernheimer,S. 141

Odernheimer, S. 322-325

Gensicke: Braubach, S. 275

Gensicke: Braubach, S. 275 f BA Oberberg Geologische Karte,Erl., S. 31 SABE 5/2

Maxeiner 82, H. 2: Um 1930 erinnerten sich Dausenauer, daß bis in die achtziger Jahre auf Oberberg gearbeitet wurde. BA Oberberg BA Nonnengrube BA Nonnengrube

Odernheimer, S. 141 BA Nonnengrube

Odernheimer, S. 133

Odernheimer, S. 108, 322-325 BA Nonnengrube LB 1.12.1886 SABE 5/2/82, H. 2 Geolog. Karte und Erl., S. 26 Geologische Karte, Erläuterungen, S. 31; Beschreibung 1893, S. 104 f

Abb. 1: Ausschnitt aus dem Stich von L. Rohbock / L. Oeder mit deutlich sichtbarem Bergwerksgebäude (oben rechts)