Das Alte Rathaus
Der schwierige Kampf für den Erhalt und die Sanierung eines bedeutenden Baudenkmals
von Stefan Fischbach
1 Einleitung
Das Alte Rathaus in Dausenau ist einer der drei historischen "Großbauten" des Ortes - Kirche, Stadtmauer, Rathaus - die alle innerhalb eines Zeitraumes von gerade einmal 150 Jahren erbaut wurden. Vergleichbares ist seitdem in Dausenau nicht mehr entstanden. Die drei Bauten waren der repräsentative Stolz des mittelalterlichen Gemeinwesens, das demnach einer der wohlhabendsten Orte an der Lahn gewesen sein muß. Noch heute prägen Kirche, Rathaus und Stadtmauer das Ortsbild und sind immer noch, bzw. wieder der Stolz des Ortes, auch wenn ihre Erhaltung viel Einsatz erfordert.
Das jüngste der drei Bauwerke ist das Alte Rathaus, dessen wahre kunsthistorische Bedeutung erst in jüngster Zeit erkannt wurde. Spätestens seit 1830, als die neue Schule erbaut wurde und fortan auch als Rathaus diente, ging das öffentliche Leben am Alten Rathaus vorbei und geriet das Gebäude langsam in Verfall. So haben die frühen Kunst-inventarbände das Alte Rathaus mit seiner schlichten spätgotischen Architektur mit keinem Wort berücksichtigt. Die erste Erwähnung und Beschreibung des Alten Rathauses findet sich erst 1921 im Nachtragsband von Ferdinand Luthmer, seit 1903 erster Konservator der staatlichen Denkmalpflege, über die Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Wiesbaden. Eine besondere Beschreibung mit Abbildung wurde der Eingangstür mit dem schönen gotischen Beschlag zuteil. Auch die große, achteckige, durch alle Geschosse durchgehende Holzstütze fand von nun an immer wieder Erwähnung.. Die Denkmalpflege war auf das Alte Rathaus im Zusammenhang einer Reparatur 1909/1910 aufmerksam geworden, zu der eine staatliche Unterstützung beantragt wurde.
Die von Herbert Nebel veranlaßte dendrochronologische Untersuchung (Veröffentlichung 1976) stellte fest, daß es sich um das zweitältestes spätgotische Fachwerkrathaus Deutschlands handelt, gerade einmal 2 Jahre jünger als das von Esslingen. Diese bedeutende Feststellung erweckte ein breites Interesse in der Öffentlichkeit für das vom Einsturz bedrohte Alten Rathaus und führte schließlich zur Anerkennung als Nationales Denkmal und zur Rettung und Wiederherstellung in den Jahren 1981-1986. Herbert Nebelss Werk verdanken wir auch die erste genaue Beschreibung und stilistische Analyse des Rathauses und seine Einordnung in die Baugeschichte des Fachwerks.
Der Architekt Franz Josef Hamm aus Limburg hat die Sanierung des Hauses geleitet und in zwei Dokumentationen - vor und nach der Wiederherstellung - publiziert. Weitestgehend unbekannt dagegen blieb die Geschichte des Rathauses. Leider sind aus der Zeit vor dem Ende des 19. Jahrhunderts so gut wie keine Quellen erhalten, so daß nur kleine Schlaglichter erkennbar sind. Dagegen läßt sich für die letzten 120 Jahre ein eindrucksvolles Bild vom Ringen um Erhalt oder Nichterhalt des Alten Rathauses gewinnen, was zeigt, wieviel Glück Dausenau hatte, daß dieses wertvolle Denkmal seiner Geschichte überhaupt erhalten blieb und gerettet werden konnte.
Dieser hier nun vorgelegte Beitrag möchte das Haus und die jahrzehntelangen Bemühungen um seinen Erhalt ein wenig beleuchten und würdigen.
1432-1434 wurde das Rathaus an zentraler repräsentativer Stelle mitten in der Lahnfront Dausenaus erbaut. Das steile Dach überragte damals wie heute alle anderen Gebäude an der Lahnseite und hob die Bedeutung des Gebäudes für das Gemeinwesen hervor. Hier lag von nun an für vier Jahrhunderte das politische Zentrum einer damals aufstrebenden Gemeinde, die weniger als 90 Jahre vor dem Bau die Stadtrechte erhalten hatte und auf ihre zu hütenden Privilegien stolz war.
2 Bemerkungen zum Bau und seinem ursprünglichen Zustand
Der neue Rathausbau ist das älteste erhaltene Beispiel in Dausenau für die Überbauung des Wehrgangs der Ringmauer, der allerdings weiterhin funktionstüchtig bleiben mußte. Deswegen wurden Kellergeschoß und Erdgeschoß in teurem Bruchsteinmauerwerk ausgeführt und der Wehrgang in den großen Saal im Erdgeschoß des Hauses integriert. Die Brustwehr des Wehrgangs reichte zunächst nur bis zur Oberkante der Schießscharten und mußte bis zur Geschoßhöhe aufgestockt werden. Hamm meinte, daß die in die Brustwehr eingebrochenen großen Fenster erst nachträglich eingerichtet worden sein dürften, als die militärische Bedeutung der Ringmauer nicht mehr so groß war. Da das Rathaus bei seiner Wiederherstellung 1981-1986 weitgehend sein ursprüngliches Erscheinungsbild wieder erhielt, seien hier nur noch einzelne Details zum Bau erwähnt, die heute nicht oder nicht mehr erkennbar sind.
So zeigte der ortsseitige Giebel ursprünglich ein Freigespärre, d.h. einen vor der Fachwerkwand vorkragenden Schaugiebel, wie er häufig bei vor 1550 errichteten Fachwerkbauten anzutreffen war. Hamm hat ihn in seinen Rekonstruktionspläne eingezeichnet, doch wurde er nicht wiederhergestellt.
Zur Lahnseite befand sich im Dachgeschoß eine große Ladeluke, weil auch landwirtschaftliche Produkte wie Heu von den Wiesen der anderen Lahnseite (bis in unser Jahrhundert hinein befand sich am Alten Rathaus die Anlegestelle der Fähre) und möglicherweise auch von der Treidelschiffahrt gelieferte Waren hier gelagert wurden. Hamm rekonstruierte eine Ladeluke in seinen Plänen, doch wurde sie - wie das Freigespärre - nicht ausgeführt, weil die Denkmalpflege eine Rekonstruktion in eine Idealgestalt nicht favorisierte.
Bruchsteinmauerwerk und Ringmauerabschnitt des Rathauses waren (steinsichtig?) verputzt, so wie heute auch zu sehen. Untersuchungen an der lahnseitigen Ringmauer ergaben den Befund, daß der Bogenfries an seiner Unterseite mit roten Fugen und gelbem Begleitband bemalt war. Möglicherweise war dies nur im Bereich des Alten Rathauses so.
Im Innern des Rathauses fanden sich vor der Instandsetzung geringe Reste von dekorativer Bemalung. Die jüngere Bemalung der Fensterumrandung datiert in die Zeit der letzten Jahrhundertwende. An älterer Bemalung zeigte sich auf den Fachwerkwänden an wenigen Stellen Reste eines kettenartigen Gliederbandes, das auf die Gefache zwischen den rot gestrichenen Balken gemalt war. Möglicherweise datieren diese Malereireste in die Erbauungszeit - ein ähnliches Band ist an der St. Kastorkirche an den Gewölbekonsolen der östlichen Vorhalle vorhanden.
Durch die Wiederherstellung des Rathauses 1981-1986 sind die originalen Gefache und Holzeinbauten der Wände verloren. Ein Gefach aus der Innenwand des 1. Obergeschosses wurde zur Dokumentation der Bautechnik und der verschiedenen Anstriche und Putzschichten in das Gemeindearchiv zur Aufbewahrung verbracht.
Verloren gingen leider auch die 50 cm hohen Trommelsegmente der ca. 50 bis 60 cm dicken Rundsäule mit Kopfplatte (Durchmesser 70 cm) aus rotem Sandstein im Kellergeschoß. Sie habe - so ein zu Rate gezogener Ingenieur - eine zu geringe Abmessung und Tragfähigkeit für die neu einzuziehende Kellerdecke und wurde durch eine 50 cm dicke Stahlbetonstütze ersetzt. Die von Hamm in den Zeichnungen dokumentierte originale Säule sollte auf den Bauhof der Verbandsgemeinde verbracht werden - wo sie nach Auskunft der Mitarbeiter jedoch nicht ist.
Schon in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts ging eine Holzvertäfelung verloren. Ein alter Steinmetz berichtete, daß er in seiner Kindheit (in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg) oft mit seinen Freunden im Alten Rathaus gespielt habe. Damals seien die Decken zweier Räume im Ostbereich des 1. Obergeschosses über der großen Halle mit ca. 30 cm breiten Brettern vertäfelt gewesen. Jedes Brett war anders geschnitzt, z.B. mit Eichenlaub. Oft hätten jedoch durchwandernde Wohnsitzlose in dem Gebäude übernachtet und Holz aus dem Gebäude zum Heizen verwendet, so daß einige Jahre später nichts mehr von den Brettern der Deckenvertäfelung vorhanden war.
3 Zur Geschichte
Was sich an Leben in diesem Gebäude abspielte, können wir uns anhand der Ausführungen von Kurt Bruchhäuser über die bürgerliche Verwaltung und Rechtsprechung vorstellen. Was sich dazu an politischen Begegnungen - etwa in den Kriegszeiten des 17. Jahrhunderts, als sich immer wieder Truppen in Dausenau einquartierten, hier ereignet haben mag, bleibt ungewiß.
So berichtet auch Hübner von einer Überlieferung über die am Reichsritteraufstand des 16. Jahrhunderts Beteiligten in einem Artikel in der Lahnzeitung vom 17.10.1974: "Im alten Rathaus zu Dausenau sollen sich einst Ulrich von Hutten (1488 - 1523) und Franz von Sickingen (1481 - 1523) getroffen haben. Beweisen läßt sich das nicht."
Zu den wenigen Nachrichten aus der älteren Geschichte gehört die Bürgermeisterrechnung des Jahres 1611. Sie erwähnt Reparaturen am Schornstein, dem Tor auf der Mauer und an der großen Tür des Rathauses.
Aus der Zeit der Hexenverfolgungen des 17. Jahrhunderts (bis 1660) ist überliefert, daß in Dausenau die Angeklagten auf dem Rathaus gefangen saßen und gefoltert wurden. Ein eiserner Folterstuhl wird erwähnt. In einem Jahr wurden um Weihnachten zwei im Rathaus gefangene Frauen tot aufgefunden.
Hamm konnte bei der Bauaufnahme 1978 den Gefängniseinbau im 1. Obergeschoß des Alten Rathauses nachweisen. Die 1978 vorhandenen, das Geschoß unterteilenden Fachwerkwände waren nach der Errichtung der Außenkonstruktion eingebaut worden - möglicherweise in der Erbauungszeit des Gebäudes. Da die originalen Wände beim Wiederaufbau nicht wiederhergestellt wurden, wurde auch das "Gefängnis" nicht wiederhergestellt.
Zur traurigen Seite der Geschichte des Alten Rathauses gehört auch, daß sich 1839 ein Einwohner von dem Gebäude stürzte, um sich das Leben zu nehmen, er jedoch erst nach fünf qualvollen Stunden verstarb.
Im Laufe seiner Geschichte wurde das Alte Rathaus im Dachbereich einem größeren Umbau unterzogen. Das ganze Dach wurde dabei niedriger und flacher - so eben, wie es bis zur Wiederherstellung 1981 war. Wann und warum dies geschah, ist nicht bekannt. Die frühesten Stiche von Dausenau von 1825/27 zeigen das Alte Rathaus in der Lahnfront bereits in diesem Zustand.
Spätestens 1830 verlor das Alte Rathaus seine Bedeutung, als die neue Schule errichtet wurde. Dehio erwähnt 1942 und 1972 ein barockes Rathaus in Dausenau. Dies ist jedoch ein Irrtum, denn das betreffende Haus, Lahnstraße Nr. 27, war im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts von einem Bürger als Wohnhaus gebaut worden. Im 19. Jh. lebte dort der Schultheiß Johann Philipp Tiefenbach (1824 - 1847 Schultheiß, 1862 - 1872 Bürgermeister). Vielleicht führte er seine Amtsgeschäfte auch von seinem Wohnhaus aus, weswegen das Haus auch als Rathaus bezeichnet worden sein mag. Demnach wäre denkbar, daß das Alte Rathaus schon um 1824 seine Funktion zugunsten des Gebäudes Lahnstraße Nr. 27 einbüßte.
Die neue Schule wurde trotz Rathausfunktion fortan immer nur als "Schule", heute noch als "Alte Schule" bezeichnet. Wer zum Bürgermeister geht, geht immer noch "auf die Schul", auch wenn dieses Gebäude längst nicht mehr als Schule dient. Das Alte Rathaus wird weiterhin als "Rathaus" bezeichnet, später lange Zeit als "altes Rathaus" und erst seit einigen Jahren in Kenntnis seiner Bedeutung als "Altes Rathaus".
3.1 Der Weg zur ersten Reparatur 1879
Der Keller und die Räume des leerstehenden Rathauses wurden an Bürger verpachtet, so ist es ab 1902 belegt. In der Steuerrolle des Jahres 1896 wird es als Ökonomiegebäude verzeichnet. Es diente zu verschiedenen Lagerzwecken: als Scheune und Schuppen, das Kellergeschoß später für die Feuerwehrspritze und auch als Leichenhalle.
Bei dem Großbrand vom 15. März 1879 zwischen Alter Schule und Altem Rathaus wurde auch das Rathaus beschädigt. Die anschließenden Instandsetzungsarbeiten wurden u.a. von Heinrich Fischbach ausgeführt, der eine - 1982 in einem vermauerten Kellerfenster wiederentdeckte - Urkunde über die Arbeiten in einer Flasche im Mauerwerk hinterließ. Die Reparaturarbeiten wurden an der Ostseite und der Giebelseite vorgenommen. Heinrich Fischbach versah die Urkunde mit einer groben Skizze des Rathauses, die den Eingangsbereich mit Loggia und einer anderen Treppenführung zeigte, als bis dahin vorhanden. Diese Skizze wurde zur Vorlage für die neue Eingangstreppe verwendet, die nun in den Vorplatz hineinreicht. M.E. ist die Aussagefähigkeit der Zeichnung für die Treppenführung jedoch fraglich, da der Katasterplan von 1872 und der Ortsplan von 1776 die bis 1981 vorhandene Treppenführung belegen.
Weitere kleine Reparaturarbeiten wurden 1884 ausgeführt, nachdem 2 Balken im Haus eingestürzt waren.
Die bis dahin ausgeführten Reparaturarbeiten werden wohl dem Erhalt des Rathauses als Ökonomiegebäude gegolten haben, auch wenn Heinrich Fischbach - als einer von wenigen seiner Zeit - eine Liebe zu den historischen Gebäuden als Denkmäler zeigte.
3.2 Der Weg zur Instandsetzung 1909-1910
Ein Interesse zum Erhalt des Hauses wegen seiner Bedeutung als altes Rathaus läßt sich erst ab Oktober 1902 nachweisen. Der Vorstand der Spar- und Darlehenskasse wollte das alte Rathaus von der Gemeinde kaufen, zu welchem Zweck ist heute unbekannt. Der Gemeinderat lehnte ab und entschloß sich statt dessen, das Haus zu renovieren. Erste Pläne lagen 1903 vor, doch das Projekt verlief anscheinend im Sande. 1906 und 1907 wurden einige Arbeiten vergeben, u.a.:
- 4 Meter Dachkennel, da die Ringmauer ausgewaschen war,
- der gefahrdrohende Teil des Gewölbes am Tor des alten Rathauskellers sollte abgelegt werden,
- Herstellung des Eingangs,
- ein neues Tor und Reparatur der Stege auf dem Dach.
1908 trat die Gemeinde Dausenau dem Nassauischen Alterthumsverein bei, wohl auch in der Hoffnung auf staatliche Zuschüsse für die historischen Bauten. Ende des Jahres fiel der Entschluß, die Reparatur des Gebäudes 1909 in Angriff zu nehmen und zwar bereits unter der Berücksichtigung eines eventuellen späteren Ausbaus des gesamten Gebäudes. Beim Staat beantragte die Gemeinde Zuschüsse in Höhe von 2000,- Mark und erklärte sich bereit, Abfuhrarbeiten sowie Stellung und Lieferung von Mauersteinen zu übernehmen. Wie auch bei der Ringmauer, war die Gemeinde vor allem zu Sachleistungen bereit und in der Lage, nicht aber zu Geldleistungen. Der Landeskonservator bescheinigte dem Rathaus einen allgemein bedrohlichen Gesamtzustand und sagte Fördermittel zu. 1909-1910 wurden die Arbeiten ausgeführt, finanziert mit je 900,- Mark vom Staat und der Denkmalpflege und je 100,- Mark vom Kreis und nach einigen Verhandlungen auch der Gemeinde. Wahrscheinlich wurde dabei nur die äußere Bausubstanz instandgesetzt und das Tor erneuert. Diese Instandsetzung sollte für lange Zeit die einzige Erhaltungsmaßnahme am Alten Rathaus sein. Auch an der Nutzung als Schuppen und Heuscheune änderte sich für Jahrzehnte nichts.
3.3 Die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg
Zehn Jahre nach der Instandsetzung vertrat der Gemeinderat plötzlich eine andere Richtung. So wurde im Dezember 1919 die Anfrage unternommen, ob das Alte Rathaus von den staatlichen Behörden zum Umbau oder Abbruch in Anbetracht der Wohnungsnot frei gegeben würde. Noch Ende 1921 scheint der Abbruch in Dausenau favorisiert zu werden.
1922 schlug, wohl durch die Bemühungen des Landeskonservators, das Interesse wieder zugunsten von Erhalt und Nutzung aus, und die Abbruchgedanken waren abgewendet. Es begann nun eine lange Phase der Verhandlungen um Zuschüsse und Überlegungen zur Nutzung. Staatliche Zuschüsse standen nur in Aussicht, wenn eine anschließende angemessene Nutzung die Gewähr für den weiteren Erhalt des Rathauses bieten würde. 1922 überlegte man eine Instandsetzung zur Turnhalle für den Dausenauer Turnverein. 1931 will man es dem Verschönerungsverein zur Verfügung stellen, sich aber die Genehmigung der Verwendung der Innenräume vorbehalten. Offenbar hatte man gehofft, der Verein würde die Instandsetzung selbst finanzieren ohne Zuschüsse der Gemeinde als Eigentümerin.
Die Ideen ließen sich nicht realisieren, staatliche Zuschüsse wurden deswegen abgelehnt. 1933 beklagte man das überall defekte Dach und Fäulnis im Innern. [Abb. 1]
1935 trug man sich mit dem Gedanken des Ausbaus zum Gasthaus. 1938 kam der Vorschlag, das Gebäude - wenn es denn nicht als Gasthaus genutzt werden könne - als Saal für die Kriegerehrung zu nutzen. Die Errichtung eines Kriegerehrenmahls war zu der Zeit in Dausenau gerade ein aktuell diskutiertes Thema (wurde jedoch nicht realisiert). Im März 1939 schätzte man die Kosten der Instandsetzung und Nutzbarmachung des Alten Rathauses auf ca. 10.000,- Reichsmark. Der Zweite Weltkrieg legte erst einmal die Pläne lahm.
3.4 Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Reparatur der Schäden
Der Zweite Weltkrieg brachte leider eine schwere Beschädigung des Rathauses mit sich. Im März 1945 wurde die Ostwand von einer Granate schwer beschädigt (Abb. 2), und auch das Dach wurde in Mitleidenschaft gezogen. Zwar wurde 1948 eine innere Abstützung eingebaut, doch über Jahre hinweg drang beständig Regen durch das defekte Dach und die riesige Lücke im Fachwerk der Ostwand in das Gebäude ein. Die Frage der künftigen Nutzung blieb der Hemmschuh für die Finanzierung der Rettung.
1949 plante man einen Umbau zur Jugendherberge, und erste Pläne wurden erarbeitet, 1950 diskutierte man eine Verwendung als Feuerwehrgerätehalle, 1951 den teilweisen Ausbau zu Wohnungen. Man erhoffte sich auf diese Weise von den verschiedenen Stellen wesentliche Zuschüsse zu erhalten. Auch der Gedanke des Abbruchs kam wohl wieder auf, denn im Juni 1951 forderte das Kreisbauamt Diez aufgrund verschiedener Hinweise und Besprechungen, daß nun von der Gemeinde einmal klargestellt werde, ob das Haus nun wieder aufgebaut oder abgerissen werden solle. Die Gemeinde entschied sich daraufhin für den Erhalt, und bald darauf stand auch wieder ein Zuschuß der Denkmalpflege aus Restmitteln zur Verfügung, der jedoch nicht mehr rechtzeitig abgerufen werden konnte und verfiel. Der Landeskonservator erklärte sein grundsätzliches Einverständnis zum Einbau von 4 Wohnungen in das Alte Rathaus, favorisierte ab 1953 aber eine Nutzung als öffentliches Gebäude, wie etwa als Jugendherberge. Das Hochbauamt schlug ebenfalls 1953 dagegen eine Verwendung wieder als Rathaus vor. Bald darauf erklärte die Gemeinde, einen Abbruch lehne sie ab, Wohnungen seien nicht der rechte Rahmen, sie befürworte eine Nutzung als Rathaus. Dausenau könne vorerst wegen finanzieller Engpässe (Wasserversorgung) jedoch nur Bauholz stellen und sehe daher vorerst nur eine Sicherung des Gebäudes als realisierbar an.
Inzwischen hatte sich der Zustand des Hauses so dramatisch verschlechtert, daß täglich mit dem Einsturz eines Dachteils gerechnet werden konnte. Eine Ortsbesichtigung hochrangiger Vertreter staatlicher Stellen am 23.9.1953 erstellte angesichts der verfügbaren Mittel einen Nutzungsplan (Feuerlöschgeräte und Jugendherberge) auf sowie einen Entwurf eines Finanzierungsplanes mit den Stellen, bei denen Zuschüsse beantragt werden sollte:
Kreis, Sozialministerium, die für Bundesjugendplan zuständige Stelle, Deutsches Jugendherbergswerk, Landesamt für Brandschutz, Totoverband. Außerdem solle ein Landesbaudarlehen beantragt werden sollten.
Die dazu vom Landeskonservator im November vorgelegten Pläne sahen auch die Rekonstruktion der anschließenden Wehrgangpartien mit Überdachung vor, allerdings mit einer Brustwehr aus Holz. Die große Halle sollte als Tagesraum, Rezeption und für Toiletten dienen, eine Spindeltreppe sollte - wie 1985 ausgeführt und an derselben Stelle - in das 1. Fachwerkobergeschoß führen, das wie das 2. Geschoß mit den Schlafräumen versehen werden sollte. Die Hausmeisterwohnung sollte auch im 2. Geschoß sein. Der Keller war als Fahrradkeller, Waschküche und (wie bis dahin gehabt) als Feuerwehrgeräteraum vorgesehen.
Von der Gemeinde standen 2.000,- DM, von der Denkmalpflege 4.000,- DM zur Verfügung, der Kostenvoranschlag des Kreisbauamtes vom Januar 1954 sah 70.000,- DM vor.
Das Kreisjugendamt lehnte eine Förderung ab, da in Bad Ems und Nassau bereits Jugendherbergen bestanden.
Es folgte im Jahr 1954 ein überaus zähes Ringen zwischen Bezirksregierung und Kreisverwaltung um den Erhalt des Rathauses. Die Kreisverwaltung lehnte wiederholt jegliche Zuschüsse ab und forderte den Abbruch des Gebäudes, so am 4.3.1954: "Es wird einstimmig die Auffassung vertreten, daß der Verfall des Hauses viel zu weit fortgeschritten ist, um es zweckentsprechend (Jugendherberge) umzubauen. Der Kreisausschuß ist vielmehr der Ansicht, das Gebäude abzureißen und die entstehende Lücke durch ein Wohnhaus in entsprechendem Stil, zu schließen."
Am 24.3.1954 schrieb der Landrat an die Bezirksregierung unter Verweis auf bereits früher gescheiterte Erhaltungsversuche: "für das alte Rathaus in Dausenau wurde bislang von keiner Seite etwas Durchgreifendes getan, um den seit Jahren immer mehr fortschreitenden Verfall dieses Bauwerkes aufzuhalten. Soweit wir die örtlichen Verhältnisse zutreffend kennen, besteht auch innerhalb der Bevölkerung Dausenaus kein sonderliches Interesse an der Erhaltung des Gebäudes."
Im April 1954 erklärte das Landratsamt gegenüber der Bezirksregierung, daß die Sache als erledigt betrachtet werde. Doch die Bezirksregierung konnte sich schließlich für den Erhalt durchsetzen und die drohende Abbruchverfügung des Kreises abwenden. Fortan wurde vor allem die Instandsetzung des Daches und der Ostwand als halbwegs finanzierbares Projekt geplant - freilich lehnte der Kreis weiterhin Zuschüsse ab. Es dauerte noch ein ganzes Jahr, bis schließlich die Arbeiten begannen und die Kriegsschäden beseitigt wurden. Der Abschluß der Arbeiten war erst im Jahre 1958 zu verzeichnen. Doch damit waren nur die Sicherungsarbeiten an der Außenkonstruktion durchgeführt.
Die Diskussion um die künftige Nutzung des Gebäudes ging weiter, zunächst jedoch verlangsamt, da keine akute Dringlichkeit vorlag. 1960 brachte der geschäftsführende Bürgermeister einen neuen Nutzungsvorschlag ein: Ortsgemeinde und Kirchengemeinde sollten das Rathaus gemeinsam sanieren und als Rathaus sowie evangelisches Gemeindehaus nutzen.
1964 wurden wieder Arbeiten durchgeführt: für die 5.000,- DM Zuschuß der Denkmalpflege wurden 6 Fenster eingebaut und einzelne Balkenlagen und Wandteile ausgewechselt.
Danach ging es erst 1969 weiter: ein Teil des Daches wurde mit Naturschiefer neu eingedeckt, sowie 5 (statt zunächst 7 geplanten) Fenster in die Westwand eingesetzt. In diesem Zusammenhang nahm der Lehrer Karl Deusner eine wichtige Position in den Verhandlungen mit der Denkmalpflege ein - möglicherweise gab er den Anstoß dazu - und unterbreitete zudem Nutzungsvorschläge. Deusner favorisierte noch eine Verpachtung an das Jugendherbergswerk und schlug außerdem als Zweites vor, das Haus für Ganzjahreskurse von 3-4 Wochen Dauer für Lehrerfortbildungsanstalten zu nutzen. In letzterem Falle könnte wohl das Land die Instandsetzung übernehmen. Die nächsten Jahre verliefen wieder ruhiger. 1971 und 1972 meldeten sich Interessenten zum Kauf des Alten Rathauses, doch es blieb im Besitz der Gemeinde.
4 Der Weg zur Wiederherstellung des ganzen Rathauses
1974 begann schließlich eine neue Runde im Bemühen um den Erhalt, die schließlich zur Wiederherstellung 1981-1986 führte. Zuerst wurde der Vorplatz neu gestaltet mit rotem Verbundpflaster und Koniferen in Pflanzkübeln (eine Linde wurde noch abgelehnt). Für die nächsten Jahre bezeichnete der Volksmund den Platz nur noch als "Roter Platz". Der Zustand des Rathauses hat sich indessen dramatisch verschlechtert. Teile des Gebälks sind verfault und mit Moos bewachsen, die bachseitige Bruchsteinwand war inzwischen derart ausgebaucht, daß sie mit dickem Baumstämmen abgestützt werden mußte. Kostenvoranschläge für die Sanierung des ganzen Gebäudes (etwas über 340.000,- DM) werden eingeholt. Eine Summe, die Dausenau alleine nicht aufbringen könnte. Das Gemeinderatsmitglied Rolf Hübner veröffentlichte 1974 sein bekanntes Dausenau-Heft in der Reihe "Rheinische Kunststätten" und warb in Zeitungsartikeln für den Erhalt und die Bedeutung des Rathauses. Eine breite Öffentlichkeit wurde so auf das Baudenkmal aufmerksam. 1976 veröffentlichte Herbert Nebel sein Werk über "Fachwerkbauten im Ortsbild am Mittelrhein", in dem er das Baudatum 1432 bis1434 bekannt machte und die erste detaillierte Beschreibung der Architektur des Alten Rathauses vorlegte. Diese neuen Erkenntnisse forcierten die Bemühungen. Nachdem sich Verbandsbürgermeister Willi Diel für das Projekt begeisterte, wurde im Dezember 1977 beschlossen, das Alte Rathaus der Verbandsgemeinde Bad Ems zu übertragen. Ein Entschluß, der in Dausenau einiges Unwohlsein hervorrief, doch man tröstete sich mit dem Gedanken, daß das Haus ja in Dausenau verbleiben werde. Willi Diel trieb das Projekt voran. 1978 wurde das Haus vom Limburger Architekten Franz Josef Hamm in allen Teilen aufgemessen, Bestands- und Rekonstruktionspläne erstellt sowie eine gedruckte Dokumentation vorgelegt. (Ein verspäteter Kaufinteressent wurde abschlägig beschieden.)
Die Dokumentation schickte man an Fachleute und Universitäten in ganz Deutschland mit der Bitte um Stellungnahme. Die einhellige Meinung: das Gebäude ist äußerst wertvoll und muß unbedingt gerettet werden. Mit dieser Stellungnahmen wurden nun zuständige Stellen um Zuschüsse angegangen. Diels gute politische Kontakte erwiesen sich dabei als äußerst wichtig. So holte er z. B. im Mai 1978 den Arbeitskreis Kultur der SPD-Landtagsfraktion mit Rudolf Scharping zu einem Ortstermin in das Alte Rathaus. 1979 wurde das Alte Rathaus unter Denkmalschutz gestellt, etwas später als Nationales Denkmal anerkannt. Diel gelang es, Landes- und Bundesbehörden von der Bedeutung des Dausenauer Alten Rathauses zu überzeugen und für das Projekt zu gewinnen. So konnte er erreichen, daß Bund und Land je 40% der Finanzierung der Wiederherstellung zusagten, der Kreis 10% und die restlichen 10% die Verbandsgemeinde mit der Ortsgemeinde. Die Gesamtkosten der nun folgenden Arbeiten sollten sich (ohne Einrichtung) auf ca. 1,8 Millionen DM belaufen.
Im Dezember 1981 begannen die Bauarbeiten. Wegen des schlechten Zustandes des Denkmals konnte nur eine totale Sanierung erfolgen, die mit der vollständigen Abtragung des Fachwerks begann. Es wurde konserviert, restauriert und auf den ursprünglichen Zustand rekonstruiert (originale Dachneigung ca. 60o). An dieser Stelle sei zusammenfassend der knappe Bericht der Denkmalpflege über die Arbeiten aus den Jahresberichten zitiert.
Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz, Bericht 1982/83 auf den Seiten 228 u. 229:
"Dausenau, Rhein-Lahn-Kreis, altes gotisches Rathaus (1433/34, 18. Jh.) 1982
Das Rathaus von Dausenau stellt eines der wenigen noch erhaltenen Exemplare gotischen Fachwerkbaus in Rheinland-Pfalz dar. Nach neuester Datierung wurde das Holz in den Jahren 1433/34 geschlagen und muß kurz danach verbaut worden sein. Damit ist das Rathaus von Dausenau das zweitälteste noch erhaltene deutsche Fachwerkrathaus. Seine Konstruktion mit einem ursprünglichen Schwebegiebel zur Stadtseite steht in engem Zusammenhang mit dem rheinischen Fachwerkbau.
Durch Kriegszerstörungen und allmählichen Verfall wies das Rathaus starke Bauschäden auf, die Anlaß für eine mehrjährige umfangreiche Sanierung wurden. In einem Mehrjahresprogramm beteiligen sich das Land Rheinland-Pfalz aus Mitteln des Landesamtes für Denkmalpflege und des kommunalen Investitionsstockes, das Bundesinnenministerium sowie die Verbandsgemeinde Bad Ems als neuer Eigentümer. Das gesamte Bruchsteinmauerwerk des Keller- und Erdgeschosses, einschließlich der Stadtmauerteile, wurde saniert; wegen des Lahn-Hochwassers wurde im Keller eine Stahlbetonwanne eingebaut. Die Stadtmauer wurde aus konstruktiven und optischen Gründen zu beiden Seiten bis über den Bogenfries verlängert bzw. neu aufgerichtet. Damit wurde im Verlauf des Lahn-Panoramas der Zusammenhang des Bauwerks mit der gesamten Stadtmauerfront wiederhergestellt. Die Fachwerkkonstruktion wies starke Schäden bzw. Ergänzungen in schlechtem Nadelholz auf. Sie wurde vollständig zerlegt und in ihren originalen Teilen wiederaufgerichtet. Giebel und Dachneigung erhielten die originale gotische Steilheit zurück. Im Berichtszeitraum wurden alle Rohbauarbeiten, einschließlich Putz- und Anstrich, im Äußeren durchgeführt. Die Farbfassung des Fachwerkes in Rot und Weiß entspricht dem im Inneren freigelegten spätgotischen Befund. Beihilfen des Landesamtes für Denkmalpflege und des Bundesinnenministeriums sowie des Innenministeriums Rheinland-Pfalz. Cu."
Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz, Bericht 1984:
Rathaus: "In den beiden zurückliegenden Jahren wurden die Maßnahmen zur Sicherung und zur Neunutzung des Rathauses (1433/34, 18. Jh.) mit der Erneuerung von Putz und Anstrich im Innern fortgesetzt.
Die Maßnahmen wurden wiederum durch umfangreiche Beihilfen des Landesamtes für Denkmalpflege, des Innenministeriums Rheinland-Pfalz sowie des Bundesinnenministeriums aus dem Programm "National wertvolle Bauten" unterstützt (vgl. Jahresberichte 1982/83 Seite 228). Cu."
Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz, Bericht 1985/86: Rathaus
"Mit dem Abschluß des fünften Bauabschnittes (vgl. Jahresbericht 1984, S. 168), der im wesentlichen Putz- und Farbfassung im Innern darstellte, kam das umfangreiche Sanierungs- und Restaurierungsprogramm, das den spätgotischen Zustand des Rathauses wiederherstellte, zum Abschluß. Beihilfe. Cu"
Für den Einbau der Stahlbetonwanne, mit der das Bruchsteinmauerwerk verankert wurde, mußte der Boden abgetieft und die Fundamente z.T. unterfangen werden. Das Bodenniveau der einzelnen Geschosse stellt sich heute auch etwas verändert dar. Die Decke der großen Halle liegt heute etwas höher wegen der erheblich dickeren Unterzüge der Decken. Die Konsolen, auf denen die Decke vorher auflag, sind nun frei in der Wand sichtbar. Die durchgehende hölzerne Mittelstütze (ursprünglich wohl rot bemalt), wurde beim Abbau in Einzelteile zerlegt und später wieder eingebaut.
Am 28. April 1986 konnte das wiederhergestellte Dausenauer Alte Rathaus im Beisein des rheinland-pfälzischen Innenministers feierlich seiner Bestimmung übergeben werden. Das Nutzungskonzept sah vor, daß es vor allem als Rathaus zu Sitzungen des Verbandgemeinderats und seiner Fraktionen dienen sollte, sowie für Tagungen, Kongresse und kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Ausstellungen. Auch für private Festlichkeiten sollte der große Saal vermietet werden. Dazu erhielt das neu eingerichtete Verbandsgemeindearchiv Räume in dem historischen Gebäude.
Am 14.2.1989 wurde das Alte Rathaus als erstes Bauwerk Dausenaus unter Schutz der Haager Konvention gestellt.
Die Nutzungsidee wurde anfangs realisiert, doch mit zunehmender Finanzknappheit sowie dem Bau des neuen Kreishauses in Bad Ems finden weniger Konzerte und kulturelle Veranstaltungen der Verbandsgemeinde in Dausenau statt. Die Sitzungen der Verbandsgemeinde werden weiterhin vor allem in Bad Ems abgehalten. Mit der Schaffung des neuen Verbandsgemeinde-Rathauses in Bad Ems steht das Dausenauer Rathaus noch mehr im politischen Abseits.
Schwerpunkt der Nutzung sind von Anfang an private Feiern, die Nutzung als Archiv (das mittlerweile die meisten Räume nutzt). Wichtig ist das Alte Rathaus heute für repräsentative Zwecke, etwa Empfänge der Verbandsgemeinde Bad Ems (wie Empfänge der Gäste aus den Partnerstädten) und der Ortsgemeinde Dausenau. An die mittelalterliche Nutzungstradition als Rathaus knüpfen die hier stattfindenden konstituierenden Sitzungen des neuen Dausenauer Gemeinderates an.
Gegenwärtig stellen die Erschütterungen des Straßenverkehrs, v.a. des zunehmenden Schwerlastverkehrs, eine Bedrohung des Alten Rathauses dar. 1995 wurde das Haus innen renoviert und Setz- sowie Erschütterungsrisse ausgebessert. Die Frage einer kostendeckenden Nutzung kam in diesem Zusammenhang wieder auf, doch wie schwierig eine Antwort auf diese Frage zu finden sein wird, ist aus dem hier dargelegten historischen Abriß ersichtlich.
Bei den Feierlichkeiten zur 650Jahrfeier der Verleihung der Stadtrechte jedenfalls wird das Alte Rathaus als Symbol der mittelalterlichen Stadtrechte und des Bürgerstolzes eine zentrale Position einnehmen, wie schon bei der 600Jahrfeier 1948. Damals allerdings stand es mit seinen schweren Kriegsschäden da.
Freuen wir uns darüber, daß nach so vielen Jahrzehnten der Bemühungen (seit 1902) um Erhalt und Kampf gegen Abrißpläne das historische Rathaus stolz, saniert und benutzbar dasteht.
Literaturverzeichnis
aktuell. Mitteilungsblatt für die Verbandsgemeinde Bad Ems, 1.1973-21.1994.
Binding, Günther / Mainzer, Udo / Wiedenau, Anita: Kleine Kunstgeschichte des deutschen Fachwerksbaus, Darmstadt 1989. (Seite 140)
Caspary, Helmut: Dausenau - Geschichte und Gegenwart. Die Lahn Band 1, Frankfurt a.M. 1963.
Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, neu bearbeitet von Ernst Gall, 3. Band: Hessen-Nassau, Berlin 1942.
Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz und Saarland,
bearbeitet von H. Caspary, W. Götz und E. Klinge, München/Berlin 1972. (2. Auflage 1984).
ausgewertete Berichte der staatlichen Denkmalpflege (seit 1903):
Jahresbericht der Bezirks-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Denkmäler innerhalb des Regierungs-Bezirks Wiesbaden für das Jahr 1903-1923.
Die Denkmalpflege im Regierungs-Bezirk Wiesbaden, 1924-1928 und 1929-1936. (2 Bde.)
Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz, Jahresberichte für die Verwaltungsjahre: Nov. 1945 - 1958/59, in: Jahrbuch für Geschichte und Kultur des Mittelrheins, Jgg. 1. 1949 ff.
Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz, Jahresberichte für die Jahre 1961-1991.
Feldkeller, Hans: Die Lahn, München/Berlin 1965.
Gensicke, Hellmuth: Kirchspiel und Gericht Dausenau, in: Nassauische Annalen Band 78, 1967, Seite 235-255.
Hamm, Franz Josef: Historisches Rathaus Dausenau an der Lahn, Dokumentation der Wiederherstellung. Zusammengestellt im Auftrag der Verbandsgemeinde Bad Ems, Bad Ems 1986.
Hamm, Franz Josef: Rathaus Dausenau an der Lahn, Dokumentation zusammengestellt im Auftrag der Verbandsgemeinde Bad Ems, Bad Ems o.J. (1978).
Hübner, Rolf: Dausenau an der Lahn, Rheinische Kunststätten, Köln 1974, 2. Auflage 1977, 3. Auflage 1980.
Hübner, Rolf: Das Alte Rathaus in Dausenau, in: Beiträge zur Geschichte Dausenaus und seiner St.Kastorkirche, Bad Emser Hefte Nr. 35, Bad Ems: Verein für Geschichte, Denkmal- und Landschaftspflege e.V. 1984, Seite 15-19.
Hübner, Rolf: Artikel: "Das alte Rathaus von Dausenau" in: Lahnzeitung 17.10.1974.
Luthmer, Ferdinand: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Wiesbaden, Nachlese und Ergänzungen zu den Bänden I bis V, Frankfurt a.M. 1921, Seite 101-102.
Nebel, Herbert: Fachwerkbauten im Ortsbild am Mittelrhein, Koblenz 1976 - herausgegeben vom Arbeitskreis für Theorie und Lehre der Denkmalpflege e.V. München 1978.
verschiedene Artikel der Lahn-Zeitung von 1974 bis 1986 und September 1995.
Verzeichnis der benutzten Archivalien
Archiv der Ortsgemeinde Dausenau:
- Spezialakte Altes Rathaus 1948-1969
- Gemeinderatsprotokolle seit vor 1884
Archiv der Verbandsgemeinde Bad Ems:
- Akten, Fotos und Untersuchungsberichte im Zusammenhang der Restaurierung
1981-1986
Landeshauptarchiv Koblenz:
- Bestand 503, Nr. 22. (Akten Landratsamt Diez)
Landesamt für Denkmalpflege Mainz:
- Planarchiv und Fotoarchiv
Privatarchiv des Architekten Franz Josef Hamm, Limburg:
- Fotosammlung, Dias und Unterlagen zur Restaurierung 1981-1986.